Tokio (JAPANMARKT) – Einst waren Kapselhotels eine billige Schlafmöglichkeit für japanische Angestellte, die ihren letzten Zug verpasst hatten. Das scheint sich nun zu ändern.

Komfort und Luxus

Das traditionelle Kapselhotel funktioniert mehr wie eine altmodische Jugendherberge. Da gibt es die kapselförmigen Schlafstätten, oft mit einem kleinen Fernseher als einzigem Luxus ausgestattet. Dazu kommt die Basisversorgung: gemeinsam genutzte Badezimmer, Duschen und Aufenthaltsräume.

Eine Übernachtung in diesen einfachen Hotels kostet nicht mehr als 2.000 bis 3.000 Yen (15 bis 22 Euro). Daher übernachten dort meist salariman (Firmenangestellte), die nach zu vielen abendlichen Überstunden oder einem Umtrunk mit Arbeitskollegen nicht mehr den langen Nachhauseweg antreten wollen. Fast alle Gäste sind Männer.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Denn in Japan wird nicht mehr so lange gearbeitet und die Firmenangestellten gehen abends weniger zusammen aus. Zugleich wollen viele ausländische Touristen eine Übernachtung im Kapselhotel erleben und davon zu Hause berichten. Daher bieten neue Betreiber gezielt mehr Platz und Annehmlichkeiten für Frauen und Ausländer.

Waschraum im Komfort-Kapselhotel Glansit Akihabara

Frauen und Ausländer im Fokus

Ein Beispiel ist das Kapselhotel Anshin Oyado im Tokyoter Bezirk Shimbashi, das bereits mit dem Stichwort „Luxus“ wirbt. Dort gibt es kostenlose Softdrinks und Misosuppe, und auch die Benutzung der Massagestühle und des Fotokopierers ist umsonst. Die Gäste können Tabletcomputer mieten, um Videos zu schauen. Auf den Tablets wird auch angezeigt, ob die Toiletten gerade frei sind und wie voll das heiße Bad mit Nebelsauna gerade ist, damit man seine Schlafkapsel nicht umsonst verlässt. Die Preise von 4.980 bis 6.480 Yen sind mehr als doppelt so hoch wie gewohnt.

Ein zweites Beispiel ist das Kapselhotel Glansit im berühmten Elektronikviertel Akihabara („Akiba“) der japanischen Hauptstadt, das im Oktober öffnete und das Signalwort „Komfort“ benutzt. Dort kostet eine Nacht in der Kapsel bis zu 7.000 Yen. Laut einem Bericht der Finanzzeitung „Nikkei“ ist ein Viertel der Gäste weiblich, weil das Hotel den Stil seiner Inneneinrichtung und seiner Accessoires auf Frauen ausgerichtet hat. Es bietet sogar Doppelkapseln, allerdings nur für gleichgeschlechtliche Bewohner. Außerdem gibt es Kapselzimmer mit Schreibtisch. Trotz der hohen Preise sei die Nachfrage hoch, berichtete die Zeitung.

Foto oben: Kapselbetten im Hotel Anshin Oyado in Shimbashi/Tokyo (© Anshin Oyado); Foto Mitte: Waschraum im Kapselhotel Glansit in Akihabara/Tokyo (© Glansit)