Tokio (JAPANMARKT) – Toyota hält weiter am Wasserstoffauto fest, während die Autobranche voll auf das Elektroauto zum Aufladen einschwenkt. Das sei eine wagemutige Wette auf Wasserstoff als Energieträger, analysiert Japankorrespondent Martin Fritz.

Ökologisch überlegen?

Toyota hält das Wasserstoffauto – dabei wird der Strom für den Elektromotor in Brennstoffzellen erzeugt – in ökologischer Hinsicht für überlegen und nähert sich dem Plug-in-Elektroauto – hier werden die Batterien über ein Kabel geladen – nur zögerlich.  Die ersten eigenen Modelle kommen erst 2020 auf den Markt, und das nur in China und Indien mit Partnern. Für Anfang der Zwanzigerjahre hat Toyota immerhin soeben zehn selbst produzierte Elektroautos angekündigt.

Damit geht Toyota eine Zukunftswette auf Wasserstoff ein, die souverän aufgehen oder grandios scheitern wird. Stimmt das Kalkül der Japaner, dann werden sich die Plug-in-Elektroautos am Markt langsamer durchsetzen als derzeit erwartet. Das könnte dem Wasserstoffauto Zeit für einen späteren Durchbruch verschaffen. Sollte man sich jedoch verrechnet haben, könnte Toyota den Anschluss an die Branche verlieren.

Drohendes vorzeitiges Aus

In der Sache pflichten viele Branchenkenner wohl Toyota bei. Denn die Elektrofahrzeuge der nächsten Jahre werden kein vollwertiger Ersatz für die Autos der Vergangenheit sein. Viele Probleme sind noch ungelöst, darunter die Reichweite, die Ladezeit und die Lebensdauer der Batterien. Auch die Umwelt- und Klimabilanz überzeugt nicht, solange der Strom fossil erzeugt wird. Das Wasserstoffauto fährt weiter als Plug-in-Modelle, lässt sich schneller betanken und schneidet in einigen Ökobilanzen besser ab.

Doch allein die aktuelle Entscheidung vieler Autohersteller, nur noch auf Plug-in zu setzen, könnte das vorzeitige Aus für den H2-Antrieb bedeuten. Denn dann haben weder Unternehmen noch Staaten einen Anreiz, die teure Infrastruktur für Produktion und Transport von Wasserstoff aufzubauen. Dennoch dürfte Toyota noch einiges an Geld in diese Technologie investieren. Dazu fühlt man sich nämlich gegenüber der japanischen Regierung verpflichtet, die Wasserstoff als Energieträger der Zukunft finanziell kräftig fördert.

Foto: Wasserstoffauto Mirai (Toyota)