Tokio (JAPANMARKT) – Die Begeisterung für Videospiele ist wohl nirgendwo so groß wie in Japan. Doch das professionelle Videospielen wird vom Staat nicht geduldet – aus einem konservativen Motiv.

Keine Professionalisierung

Die Videospielindustrie in Japan zählt immer noch zu den Größten der Welt. Hier sind nicht nur die beiden Konsolenhersteller Sony und Nintendo zu Hause, die auch zahlreiche Spiele selbst herausbringen, sondern auch reine Spieleproduzenten wie Square Enix, Namco Bandai, Capcom und Sega.

Doch an der Professionalisierung von Videospielen – elektronischer Sport oder E-Sport genannt – und an dem Trend zu öffentlich ausgetragenen Wettkämpfen hat Japan nicht teilgenommen, obwohl es einen ausreichend großen Spielerpool und ein ausreichend schnelles Internet für Mehrspielerkämpfe besitzt. Während in Korea, China und den USA solche E-Sport-Wettkämpfe ganze Stadien füllen und die erfolgreichen Spieler den Status von landesweit bekannten Prominenten haben, gibt es in Japan nichts dergleichen.

Verbotenes Glücksspiel

Denn aus Angst vor dem organisierten Verbrechen hat der japanische Staat die meisten Formen von Glücksspiel verboten. Wegen der unscharfen Formulierung gehören auch Videospiele dazu. Nur Pachinko wird offiziell als Unterhaltung eingestuft. Außerdem ist nach einem Bericht von „Bloomberg Businessweek“ die Höhe der Preisgelder begrenzt und die Verwendung von Einnahmen aus dem Kartenverkauf für die Preisgelder untersagt. Das bedeutet, dass selbst die besten Spieler von ihrem Sport in Japan nicht leben könnten.

Damit schießt sich der japanische Staat jedoch selbst ins Knie, weil das professionelle Videospielen sich im Ausland zu einem Riesengeschäft entwickelt hat. Laut dem „Bloomberg“-Bericht soll das weltweite Volumen der E-Sport-Geschäfte bis 2020 auf fünf Milliarden Dollar wachsen. In den USA erhalten erfolgreiche E-Sportler sogar Stipendien für den Universitätsbesuch. Doch in Japan können die besten Videospieler ihre Fähigkeiten nur auf dem Sofa beweisen.

Foto: E-Sport-Großeignis in den USA (flickr/Jakob Wells CC BY 2.0)