Tokio (JAPANMARKT) – Japan, Korea und China gelang der wirtschaftliche Aufstieg, weil alle drei Staaten den Rezepten des deutschen Ökonomen Friedrich List folgten. Der Name ist daher in Ostasien gut bekannt.

Effektive „Erziehungszölle“

In seinem Hauptwerk „Das nationale System der Politischen Ökonomie“ von 1841 fordert List, dass Länder, die sich wirtschaftlich entwickeln wollen, die einheimische Industrie in der Anfangsphase durch „Erziehungszölle“ – sprich Protektionismus – vom globalen Wettbewerb abschirmen müssen. Erst in einer fortgeschrittenen Phase sollten diese nachholenden Länder den Freihandel einführen, fasst der Ökonom Thomas Straubhaar das Werk von List zusammen.

Diesen Ideen folgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst Deutschland, das sich technologisches Knowhow aus dem damals industriell führenden Großbritannien (teilweise mithilfe von vielen Spionen) „besorgte“, die eigenen Industriebetriebe jedoch vor günstigen Importen aus England durch Zölle schützte. Erst nach Erreichen einer ausreichenden Reife setzte sich die deutsche Industrie dem Freihandel aus.

Erst Protektionismus, dann Freihandel

Im 20. Jahrhundert fand diese List-Lehre großen Anklang in Japan, Taiwan, Südkorea, Singapur und zuletzt im China der Siebzigerjahre. Alle Länder folgten den Rezepten des deutschen Ökonomen, schreibt das Schweizer Finanzblatt „Finanz und Wirtschaft“: Sie bauten Handelshemmnisse im Inland ab und errichteten eine moderne Verkehrsinfrastruktur. Sie zogen Zollmauern hoch und exportierten ihre eigenen Produkte auf den Weltmarkt. Erst nach ihrem globalen Erfolg öffneten sie ihre eigenen Märkte langsam für das Ausland.

In Japan profitierten von dieser Strategie heutige Weltkonzerne wie Toyota, Sony und Panasonic. In Südkorea wurden Samsung Electronics, Hyundai Motor und einige Schiffsbauer zu globalen Playern. Die Nutznießer in China heißen Tencent Holdings, Alibaba, Baidu und Weibo, die (wenn auch teilweise aus anderen Gründen) vor Google, Facebook und Amazon geschützt wurden. Sie allen verdanken ihre heutige Bedeutung auch dem fast vergessenen Deutschen Friedrich List.

Foto: Denkmal für Friedrich List in Kufstein/Tirol, wo er Selbstmord beging (Wikipedia CC BY SA 3.0)