Tokio (JAPANMARKT) – Internationale Aktieninvestoren haben Japan in diesem Jahr als Anlageziel wiederentdeckt. Das bekannteste Kursbarometer kletterte auf ein 25-Jahreshoch.

Renaissance für Japan

Der Startschuss für das Comeback fiel im September, als Premierminister Shinzo Abe vorzeitige Neuwahlen ankündigte. Darauf ließen ausländische Anleger viel Kapital an die Tokyoter Börse strömen: Sie erwarteten einen Wahlsieg von Abe und damit die Fortsetzung der Abenomics-Strategie. Diese ultralockere Geld- und Haushaltspolitik soll die Deflation verscheuchen – und treibt die Aktienkurse hoch.

Der Nikkei als Japans bekanntester Aktienindex legte mit 16 Plustagen in Folge die längste Gewinnserie seiner Geschichte hin und stieg auf den höchsten Stand seit Januar 1992. Zur Erinnerung: In jenem Monat erschien der Roman „Rising Sun“ (deutsch: „Nippon Connection“). Darin warnte Michael Crichton vor einer japanischen Verschwörung gegen die USA. Das erscheint heute als ziemlich unplausibel.

Doch nun erlebt Japans Wirtschaft ein Comeback und der japanische Aktienmarkt eine Renaissance. Nicht nur der technologielastige Nikkei 225 meldete sich zurück, auch der breiter gefasste Topix-Index kletterte auf ein Zehnjahreshoch. Erstmals seit Jahren setze eine breite Mehrheit von Anlegern und Analysten Japan ganz oben auf ihre Kauflisten, notierte der Finanzdienst „Bloomberg“.

Anschub durch Notenbank und Weltkonjunktur

Zu der Rally hat auch die japanische Notenbank mit ihren extrem hohen Käufen von Anleihen und Aktien beigetragen. In nur viereinhalb Jahren erwarb sie mehr als 40 Prozent aller Staatsanleihen sowie rund drei Viertel aller Aktien-Indexfonds auf Nikkei und Topix. Durch die Übernahme der Anleihen in ihre Bilanz verringerte die Notenbank die Wahrscheinlichkeit einer Schuldenkrise deutlich.

Aber Japans Wirtschaft läuft auch wegen der ausgezeichneten Weltkonjunktur auf Hochtouren und ist inzwischen sieben Quartale in Folge gewachsen. Das gab es zuletzt zwischen 1999 und 2001. Dieser zyklische Aufschwung durch starke Exporte und den großen Industriesektor stützte auch den Aufschwung am Aktienmarkt.

Anders als die US-Aktienbarometer und der deutsche DAX-Index haben Nikkei und Topix ihre Höchststände von Ende 1989 noch lange nicht erreicht. Aber zumindest in der Marktkapitalisierung hat die Japan AG den damaligen Höhepunkt schon im Mai 2015 überschritten, weil die Zahl der börsennotierten Unternehmen seit den Achtzigerjahren um mehr als die Hälfte gestiegen ist.

Foto: Tokyoter Börse (flickr/Dick Thomas Johnson CC BY 2.0)