Tokio (JAPANMARKT) – Das Start-up e-bot7 GmbH darf als einziges deutsches Jungunternehmen an einem „Beschleunigerprogramm“ der japanischen Hauptstadt teilnehmen. Dazu hat JAPANMARKT exklusive Informationen.

Münchner Deep Learning 

Zwischen dem 22. September bis 3. November hatten sich insgesamt 49 Unternehmen aus 15 Ländern um die Teilnahme an diesem zweiten Beschleunigerprogramm der japanischen Hauptstadt für ausländische Start-ups beworben. Das Ziel ist die Ansiedelung innovativer ausländischer Unternehmen in Tokio, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Für das New Tech Business Camp Tokyo im Frühjahr wurden nach Angaben der Stadt Tokio acht ausländische Unternehmen ausgewählt, die über fortschrittliche Technologien in Zusammenhang mit der vierten industriellen Revolution verfügen, darunter das Internet der Dinge, große Datenmengen und künstliche Intelligenz. Vier der ausgewählten Start-ups sind aus den USA und jeweils eins aus China, Australien, Finnland und Deutschland.

Japanisches Wissen bei Künstlicher Intelligenz

Die mehrfach ausgezeichnete e-bot7 GmbH aus München, die auf prominente Investoren wie Commerzbank zurückgreifen kann, benutzt Deep-Learning-Algorithmen, um die Anfragen von Kunden an ein Unternehmen zu analysieren und den Mitarbeitern im Kundendienst, etwa in einem Call-Center, die besten Antworten vorzuschlagen.

JAPANMARKT fragte Shozo Moritz Takaya, den Head of Operations des Start-ups:

Warum haben Sie sich um die Teilnahme an dem Tech Business Camp beworben?

„In den letzten zwei Jahren haben wir uns hauptsächlich auf die DACH-Region konzentriert und unser NLP (Neuro-Linguistic Programming) System für die deutsche Sprache perfektioniert. Mittlerweile arbeiten wir mit den größten Unternehmen in der Region zusammen und unterstützen diese dabei, den Kundenservice effizienter auszurichten. Unsere Vision ist es jedoch auch, international zu agieren. Japan gilt in Asien als Zentrum im Bereich der künstlichen Intelligenz und Robotik. Daher existiert bereits sehr breites Wissen zum Thema KI und deren Anwendungsmöglichkeiten. Zusätzlich gilt Japan als eine der größten Industrienationen weltweit und bietet sehr viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Deshalb haben wir uns entschlossen, die ersten geschäftlichen Erfahrungen mit Hilfe und Unterstützung des New Tech Business Camp Tokyo zu machen.“

JAPANMARKT: Wie sehen Ihre Japan-Pläne genau aus?

„Kurzfristig möchten wir Erfahrungen im japanischen Markt sammeln und soviele neue Kontakte wie möglich knüpfen. Da wir im Moment dabei sind, unserem NLP-System neue Sprachen beizubringen, planen wir natürlich auch, die japanische Sprache zu optimieren. Mit unserer Technologie und mit der Hilfe von strategischen Partnern und einer engen Zusammenarbeit können wir innerhalb von einem Monat die japanische Sprache so optimieren, dass wir bessere Ergebnisse als die japanischen Unternehmen erzielen werden.“

JAPANMARKT: Welche Möglichkeiten bietet Ihre Software im Vergleich zu japanischen Wettbewerbern?

„Es gibt sicherlich auch japanische Chatbot Firmen und Bots, die auch mit Hilfe der künstlichen Intelligenz Konversationen führen. Diese Anbieter sind der Meinung, dass sich eine KI selber neues Wissen aneignen kann. Unser Unternehmen grenzt sich von japanischen Chatbot-Unternehmen ab, indem wir eine hybride Agent+KI-Lösung anbieten. Diese Lösung ermöglicht eine Art „kontrolliertes Lernen“ des Algorithmus. Somit wird garantiert, dass keine falsche Antwort an den Kunden geschickt wird. Zusätzlich lernt unsere Intelligenz bei jeder Interaktion vom Kundendienstmitarbeiter im operativen Prozess mit. Somit kann das Wissen des Mitarbeiters schnell auf eine dynamische Datenbank und die KI übertragen werden. Außerdem führen wir das größte Chatbot News Netzwerk in Europa und das zweitgrößte weltweit, was uns dazu verhilft, Informationen über die Entwicklungen im Markt schneller zu erhalten als andere Unternehmen. Auch unsere Sparte Chatbot Consulting hilft uns dabei, die Bedürfnisse der Kunden besser zu verstehen.

JAPANMARKT: Wie ist die internationale Wettbewerbslage in diesem Bereich?

Es gibt international sehr viele Chatbotanbieter. Jedoch ist Chatbot nicht gleich Chatbot. Es ist wichtig zu wissen, dass es unterschiedliche Technologien im Chatbotmarkt gibt, die für unterschiedliche Anwendungsfälle geeignet sind. Unser Fokus liegt im Moment auf dem Kundendienst, da dort der meiste Mehrwert geliefert werden kann. Eines der größten Probleme für die Kundendienstmitarbeiter sind wiederkehrende Fragen und Prozesse, die teilweise bis zu 80 Prozent des Volumens ausmachen können. Diese wiederkehrenden Fragen und Prozesse könnten sehr gut mit einer KI bearbeitet werden.

Foto: Rathaus der Stadt Tokio im Stadtteil Shinjuku (flickr/Mirai Takahashi CC BY-NC-ND 2.0)