Tokio (JAPANMARKT) – Japan erlebt den zweitlängsten Aufschwung der Nachkriegszeit. Im neuen Jahr dürfte das Wachstum jedoch etwas nachlassen.

Aufschwung hält an

Die Mehrheit der Ökonomen geht davon aus, dass das japanische reale Bruttoinlandsprodukt auch in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Jahres gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist. Dabei dürften erneut die Exporte und die privaten Kapitalausgaben die Treiber gewesen sein. Auch die Manager großer Unternehmen rechnen mit einer Fortsetzung des Aufschwungs.

Für das neue Jahr sind sich die meisten Analysten darin einig, dass die Wachstumsrate etwas sinken wird. Nach einer Zuwachsrate von 1,5 Prozent im laufenden Fiskaljahr (bis 31. März) rechnet etwa die Investmentbank Nomura für 2018 mit einem Rückgang auf 1,0 Prozent und für 2019 auf 0,6 Prozent.

Der Aufschwung sei zu schwach, um von der Bevölkerung gespürt zu werden, heißt es in der Nomura-Analyse. Ohne eine höhere Produktivität werde es keine höheren Löhne geben. Zudem beruhen die starken Exporte auf Ersatzinvestitionen im Ausland und nicht auf einer Steigerung der Produktionskapazität.

Währung als Risikofaktor

Die Bank Edmond de Rothschild sagt für Japans Wirtschaftsleistung eine reale Wachstumsrate von 1,2 Prozent für 2018 und von 0,9 Prozent für 2019 vorher. Unterstützung komme von den Kapitalausgaben, weil die Unternehmen wegen des Arbeitskräftemangels in Automatisierung investieren, und von den Exporten. Auf der negativen Seite werden sinkende Staatsausgaben genannt.

Die Geldpolitik und damit der Wechselkurs des Yen gelten als einer der größten Unsicherheitsfaktoren für die Konjunktur. Ein schwacher Yen erhöht die bilanzierten Gewinne der Exportunternehmen. Die steigenden US-Zinsen sprechen für eine weitere Abwertung der japanischen Währung und für weiter zunehmende Unternehmenserträge in Japan.

Doch nach Ansicht von UBS Japan ist der Yen bereits stark unterbewertet. Daher liege das Risiko eher auf der Aufwertungsseite, etwa als Folge eines EU-feindlichen Wahlausgangs in Italien. Ein weiteres Risiko wäre eine Verringerung der Wertpapierkäufe der japanischen Notenbank, die ebenfalls zu einer Aufwertung der japanischen Währung führen könnte.

Foto: Yokohama bei Nacht (flickr/Fougerouse Arnaud CC BY-NC 2.0)