Tokio (JAPANMARKT) – Der Ausbau von Ladestationen für Elektroautos kommt in Japan gut voran. Aber das Netz mit Tankstellen ist bisher noch dichter.

„Ehrgeizige“ Vorgabe

Die japanischen Autobauer tun sich weiter relativ schwer mit dem Elektroauto (JAPANMARKT berichtete). Die Regierung hat Sorge, dass Japans wichtigster Industriezweig den technologischen Wandel verschlafen könnte. Das hätte heftige Folgen für die Arbeitsplätze in dieser Industrie, die rund neun Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt.

Ihr offizielles Ziel für 2030, das die Regierung bei der Weltklimakonferenz in Paris 2015 verkündete, ist ein Marktanteil von 20 Prozent bis 30 Prozent für Elektroautos und Plug-in-Hybride. 2016 betrug diese Quote nur 0,59 Prozent. Selbst das zuständige Wirtschafts- und Industrieministerium (METI) bezeichnet die eigene Vorgabe als „ehrgeizig“.

Vorbehalte gegen E-Autos

Vor diesem Hintergrund hat das METI drei Vorbehalte der Käufer gegen Elektroautos identifiziert: der hohe Preis, die geringe Reichweite und die niedrige Zahl von Ladestationen. Die staatliche Förderung setzt an allen drei Punkten an. Der hohe Preis wird durch den partiellen bis vollständigen Verzicht auf die drei Steuerarten für Autos gedrückt.

Im zweiten Ansatz werden die Autohersteller ermutigt, leistungsfähigere Batterien zu entwickeln, indem die Subvention für den Kaufpreis mit der Reichweite steigt. Für jeden Kilometer zahlt der Staat 1.000 Yen (7,40 Euro). Für das Elektroauto Leaf von Nissan ergibt dies bei der Reichweite von 400 Kilometer eine Subvention von 400.000 Yen (knapp 3.000 Euro). Für Plug-in-Hybridautos zahlt der Staat einen pauschalen Zuschuss von 200.000 Yen.

Zahlreiche Ladestationen

Den dritten Hebel setzt Japans Staat bei der Ladeinfrastruktur an. Der Bau von Ladestationen wurde nach eigenen Angaben bisher mit über 55 Milliarden Yen (407 Millionen Euro) gefördert. Das hat durchaus gewirkt: Die Zahl der Ladesäulen in Japan gibt das METI zu Ende März 2017 mit knapp 28.000 an. Zum Vergleich: Es gibt 31.500 Tankstellen für Benzin und Diesel in Japan. Gemessen an der geringen Zahl der Elektroautos hat Japan also bereits eine gute Infrastruktur.

Aber wenn man berücksichtigt, dass es an vielen E-Tankstellen nur eine Ladestation gibt und der Ladevorgang deutlich länger dauert als Tanken, ist noch einiges zu tun. Dazu passt die jüngste Initiative: Die Stadtregierung der Hauptstadt Tokyo will ab diesem Jahr den Bau von Ladestationen für Apartmentblocks und Hochhäuser subventionieren. In den 130.000 Wohnblocks der Hauptstadt leben 60 Prozent der Bewohner von Tokyo. Bisher blockieren viele Vermieter eine notwendige Kostenumlage für die Ladesäulen.

Foto: Aufladen von Plug-in-Hybrid Prius PHV (Toyota)