Tokio (JAPANMARKT) – Lange Jahre als Außenminister haben die Weltsicht von Frank-Walter Steinmeier geprägt. Das zeigt sich auch bei seinem ersten Japanbesuch als Bundespräsident.

Übereinstimmung mit Japan

Nur knapp 15 Monate nach Joachim Gauck hat erneut ein deutscher Bundespräsident Japan besucht. Mit seiner letzten Reise wollte Gauck ein Signal der Unterstützung an Japan senden, da Bundeskanzlerin Angela Merkel häufig nach China fährt. Steinmeier wiederum nutzte die Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Südkorea für einen Abstecher nach Japan.

Bei seinem Kurzaufenthalt in Tokio unterstützte Steinmeier gleich zwei politische Positionen seines Gastgebers Japan. So stellte sich der Bundespräsident bei einem Kurzvortrag vor Journalisten hinter die Freihandelspolitik von Japan. „Deutschland ist ein Land ohne Ressourcen mit einer starken Produktion im eigenen Land und daher wirtschaftlich darauf angewiesen, einen Teil dieser Waren zu exportieren“, zog Steinmeier eine Parallele zu Japan.

Freihandel und Nordkorea im Fokus

Daraus ergebe sich automatisch, dass Deutschland sich für den Freihandel ausspreche, erklärte Steinmeier. Dies stehe im Widerspruch zu den protektionistischen Vorstellungen in Washington. Daher habe er sich gefreut, dass der Freihandelsvertrag der Pazifikanrainerstaaten auch ohne die USA umgesetzt worden sei (JAPANMARKT berichtete). „Es ist weise, die Tür für die USA offenzuhalten“, meinte Steinmeier.

Der Bundespräsident unterstützte auch die harte Haltung von Japan gegenüber Nordkorea. Bei einem Abendessen mit Japans Premierminister Shinzo Abe forderte Steinmeier, dass ein Dialog mit Nordkorea nur dann zum Ziel führen könne, wenn er mit dem größtmöglichen Druck durch Sanktionen verbunden bleibe. Bei seinem Vortrag vor Journalisten warnte Steinmeier zudem vor unrealistischen Illusionen über die Beteiligung von Nordkorea an den Olympischen Winterspielen in Pjöngjang.

Eine Lösung des Konflikts sei allerdings nur unter aktiver Beteiligung von China möglich, erklärte Steinmeier. Die Regierung in Peking sehe ihren Einfluss in Nordkorea als Aktivposten und nicht als Bürde. Es überrasche daher nicht, dass in Tokio die Debatte um Japans Haltung gegenüber Peking oft im Vordergrund stehe, erklärte Steinmeier. Diese Äußerung lässt sich auch als eine Aufforderung an Japan verstehen, bessere Beziehungen zu China zu suchen, um die Nordkoreakrise zu entschärfen.

Foto: Frank-Walter Steinmeier in Tokio (© Martin Fritz)