Tokio (JAPANMARKT) – Eine wachsende Zahl von Unternehmen in Japan schafft die Beraterposten für frühere Chefs ab. Damit reagieren sie auf den Druck von Kapitalanlegern.

Informationspflicht eingeführt

Seit Januar müssen börsennotierte japanische Unternehmen die Tokioter Börse über die Aufgaben und die Bezahlung ihrer Berater informieren. Dabei handelt es sich häufig um frühere Vorsitzende von Vorstand und Verwaltungsrat. Als Berater behalten meistens ein Büro mit Mitarbeitern sowie Dienstwagen mit Chauffeur.

Bereits im vergangenen Jahr beugten sich mehrere Unternehmen, darunter Shiseido, J. Front Retailing und Nisshinbo, dem Druck von Aktionären und schafften diese Jobs ab. Die Position eines Beraters ist im japanischen Unternehmensrecht nicht definiert. Ihre Aufgaben unterscheiden sich je nach Unternehmen stark. Das sorgt für Intransparenz.

Die Mitteilungspflicht scheint weitere Unternehmen zum Nachdenken gebracht zu haben: So wollen inzwischen auch der Zigarettenriese Japan Tobacco, das Handelshaus Itochu und der Nahrungsmittelhersteller Kagome ihre Berater abschaffen. Die Hauptversammlungen sollen diesen Beschluss im weiteren Jahresverlauf fassen.

Argumente für und gegen Berater

Die weitere Verwendung als Berater für frühere Top-Manager wird bisher vor allem aus zwei Gründen praktiziert: Erstens werden sie als eine Form von weiterer Vergütung angesehen. Zweitens will man das Wissen und das Netzwerk der früheren Chefs nicht verlieren. Anders als im Westen geht es weniger darum, ihre Abwanderung zur Konkurrenz zu verhindern.

Aber auch die Aktionäre haben zwei gute Argumente gegen die bisherige Praxis: Erstens könnten Berater bei Krisenfirmen dazu neigen, eine Sanierung zu bremsen, damit ihre früheren Entscheidungen nicht kritisiert oder rückgängig gemacht werden. Ein bekanntes Beispiel ist Sharp.

Zweitens könnten Berater ihre Position dazu nutzen, eigene Vergehen zu verschleiern oder ihre Aufdeckung zu verhindern. Dafür liefern die Bilanzmanipulationen bei Toshiba und Olympus gute Fallbeispiele.

Nach Ansicht von Analysten dürfte die Abschaffung der Beraterposten zur Folge haben, dass die Vergütungen der jeweiligen Unternehmensführer im Gegenzug steigen werden – sozusagen als Ausgleich für den nun entgangenen späteren Beraterposten. Die Verjüngung und erhöhte Transparenz haben also ihren Preis.

Foto: Tokioter Börse (flickr/Dick Thomas Johnson CC BY 2.0)