Tokio (JAPANMARKT) – Eine einzige Tablette, die innerhalb von 24 Stunden gegen Grippe wirkt: Diesen Traum von Ärzten und Patienten erfüllt ein japanischer Pharmahersteller.

Zulassung im Schnellverfahren

Das japanische Gesundheitsministerium hat nach Angaben des Herstellers Shionogi das Arzneimittel Xofluza zugelassen. Das Medikament kommt in Japan auf den Markt, sobald die nationale Krankenversicherung den Preis festgelegt hat, voraussichtlich im Mai. Eine einzelne Tablette kann eine Grippeerkrankung der Typen A und B innerhalb eines Tages stoppen.

Der Wirkstoff Baloxavir Marboxil hemmt ein Enzym, das die Grippeviren zur Vermehrung benötigen. Laut Shionogi wurde bei klinischen Versuchen die Virusmenge bei mindestens mehr als der Hälfte der behandelten Patienten auf nicht mehr nachweisbare Werte verringert. Außerdem seien die Nebenwirkungen geringer als beim Konkurrenzprodukt Tamiflu von Roche.

Oseltamivir, der Wirkstoff von Tamiflu, hemmt gezielt bestimmte Glykoproteine auf der Oberfläche einer Virenvorstufe und setzt damit zu einem späteren Zeitpunkt als Xofluza an. Dadurch wird die Verbreitung der infektiösen Viren im Körper zwar gebremst, aber Tamiflu erfordert jeweils zwei Tabletten über fünf Tage.

Frühzeitiger Einsatz notwendig

Der Shionogi-Wirkstoff ist das erste Medikament, das von den japanischen Gesundheitsbehörden ab Oktober 2015 im neuen Schnellverfahren geprüft wurde. Shionogi stellte den Antrag auf Zulassung im Oktober des Vorjahres. Nach nur vier Monaten kam die Bewilligung.

Das öffentliche Interesse ist leicht zu erkennen. Das Medikament senkt nicht nur die Behandlungskosten, sondern durch die schnelle Beseitigung der Ansteckungsgefahr auch die wirtschaftlichen Folgekosten der Grippe.

Der Nachteil von Xofluza liegt darin, dass es in einem frühen Stadium der Grippe eingesetzt werden muss. Haben sich die Viren erst einmal von der Lunge im Körper ausgebreitet, ist es verschiedenen Presseberichten zufolge zu spät für eine Behandlung mit Xofluza. Die beste Vorbeugung gegen Grippe bleibt daher wohl auch künftig eine Impfung.

Foto: flickr/Klaus Rebler CC BY-SA 2.0