Tokio (JAPANMARKT) – Vor allem der Erfolg in Japan hat dem Messenger-Dienst Twitter offenbar zum ersten Quartalsgewinn verholfen – dank japanischer Besonderheiten. 

Umsatzanstieg in Japan

Der Umsatz von Twitter in Japan ist im abgelaufenen Vierteljahr um 34 Prozent auf 106 Millionen Dollar gestiegen. Das entspricht 15 Prozent des Weltumsatzes, der vor allem mit Werbung erzielt wird, und rund einem Viertel des Umsatzes in den USA, obwohl dort die Hälfte der Twitter-User zuhause ist. Im Gesamtjahr 2017 trug Japan knapp 344.000 Dollar zum Weltumsatz von 2,4 Milliarden Dollar bei. Dies entspricht einem Anteil von 14 Prozent.

Laut Daten der Marktforscher Nielsen und NetRatings Japan ist die Zahl der aktiven Twitter-User in Japan im Oktober 2017 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 26,6 Millionen gestiegen. Damit lag Twitter deutlich vor Facebook mit 22,5 Millionen und Instagram mit 17,1 Millionen Usern. Auf dieser Basis hätte Twitter eine Pro-Kopf-Einnahme von 4 Dollar je japanischem User erzielt.

Soziale Erfolgsfaktoren

Den Erfolg von Twitter in Japan erklären sich Kenner der sozialen Medien mit spezifischen Eigenarten. Erstens erlaubt Twitter – anders als Facebook – anonyme Nutzerkonten. Zweitens kommt das Konzept des Tweetens, in Japan manchmal mit “Murmeln” übersetzt, im japanischen Kontext gut an. Twitter gibt vielen Japanern die Möglichkeit, ihre Meinung zu “murmeln”, ohne dafür mit ihrem Gesicht geradestehen zu müssen.

Ein weiterer Faktor ist technischer Natur: Twitter wird in Japan stärker als anderswo zur Verbreitung von Videos, teilweise im Live-Stream, genutzt, dank des weit verbreiteten schnellen Internet-Standards 4G in den Metropolengebieten. Werbetreibende können über Twitter-Videos zudem viele junge Japaner erreichen, die oft nicht mehr fernsehen, sondern lieber tweeten. Das macht Werben auf Twitter attraktiver als in anderen Ländern.

Foto: Twitter Inc.