Tokio (JAPANMARKT) – Japan will die landesweite Aufnahmeprüfung für die Universitäten reformieren. Man will verstärkt die Fähigkeit zum kritischen Denken prüfen.

Lange Vorbereitungszeit

Mehr als 580.000 Schulabsolventen haben im Januar am zentralen Aufnahmetest für Japans Universitäten teilgenommen. Einen Monat später nahmen die meisten davon an den Aufnahmeprüfungen einzelner Universitäten teil. Bei ihrer Entscheidung über die Aufnahme berücksichtigen die akademischen Lehranstalten auch das Ergebnis der zentralen Tests.

Auf diese Doppelprüfung bereiten sich die jungen Japaner praktisch ihr gesamtes Schulleben vor. Die Art und die Inhalte dieser Prüfungen bestimmen daher auch, was und wie an den japanischen Schulen unterrichtet wird. Bisher liegt der Fokus auf dem Auswendiglernen von großen Wissensmengen.

Das Bildungsministerium arbeitet seit fünf Jahren an einer Reform des zentralen Aufnahmetests, damit junge Japaner besser auf die Anforderungen der Erwerbsarbeit im 21. Jahrhundert vorbereitet sind. Dafür soll der zentrale Test ab 2020 verstärkt Ausdrucks- und Urteilsfähigkeit prüfen. Das wiederum soll die Schulen dazu zwingen, ihre Unterrichtsinhalte daran anzupassen.

Wissensaneignung gegen kritisches Denken

Die Reform findet bei vielen Beteiligten generellen Beifall, aber im Detail gibt es viel Kritik, wie jetzt eine Presseschau zeigte. So argumentiert Professor Takashi Saito von der Universität Meiji, die Fähigkeit zum Identifizieren und Lösen von Problemen sei zwar wichtig, aber eben auch die Wissensaneignung. Damit verbrächten zum Beispiel Medizinstudenten 90 Prozent ihrer Zeit.

Der Psychiater Hideki Wada warnte vor den Folgen der Reform für die mentale Gesundheit junger Japaner. Die Einführung von geschriebenen Antworten in dem zentralen Test könnte dazu verführen, konformistische Inhalte vorzubereiten und im Test zu reproduzieren.

Auch benachteilige das neue System junge Leute mit geringen Ausdrucksfähigkeiten. Außerdem ließen sich mündliche Prüfungen und Kurzaufsätze nur schwer gerecht bewerten, gibt Wada zu bedenken.

Foto: Studenten der Universität Kyoto (flickr/Jun Seita CC BY 2.0)