Tokio (JAPANMARKT) – Die beiden Top-Manager von Kobe Steel nehmen wegen gefälschter Produktdaten ihren Hut. Das soll den Neustart erleichtern.

Fälschungen von Produktdaten

Hiroya Kawasaki, Chairman, Präsident und Chief Executive Officer von Japans drittgrößtem Stahlhersteller Kobe Steel, übernimmt die Verantwortung für die Manipulationen von Stärke- und Haltbarkeitsdaten von Metallprodukten für Hunderte von Kunden in Japan und weltweit. Der 63-Jährige, der Kobe Steel seit 2013 vorsteht, tritt zum 1. April von sämtlichen Posten zurück.

Der Rücktritt ist auch die Reaktion auf den Untersuchungsbericht einer externen Kommission, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Auf 80 Seiten werden weitere Tricksereien in sechs Produktionsstätten aufgedeckt, die 163 Kunden betroffen haben. Auch der Vizepräsident des Konzerns, Akira Kaneko, zuständig für die Aluminium- und Kupferproduktion, trat zurück.

Insgesamt sind 605 Kunden von den Manipulationen betroffen. Darunter sind japanische Großkunden wie Toyota, Toray Industries, die Bahnbetreiber JR Central und JR West, aber auch internationale Abnehmer wie Boeing. Jedoch wurden bisher keine Sicherheitsprobleme durch die unzureichenden Metallprodukte bekannt.

Neustart mit unabhängigen Direktoren

Die dreiköpfige Kommission stellte fest, dass das Fehlverhalten weit verbreitet war. Zwei frühere Manager waren an den Datenfälschungen beteiligt. Zwei andere Manager, die davon wussten, hätten die Praxis nicht an ihre Vorgesetzten berichtet.

Als Grund nannte die Kommission eine Unternehmenskultur, in der niemand den Mund aufgemacht habe, weil die Führung sich auf Produktivität und Profitabilität konzentriert habe. In der Folge seien Kapazitätsgrenzen ignoriert worden.

Deswegen will Kobe Steel den Anteil von externen Direktoren nun auf mindestens ein Drittel des Verwaltungsrates erhöhen. Der künftige Chairman soll aus ihren Reihen kommen. Bis zu seiner Ernennung bleibt der bisherige Konzernchef Kawasaki im Amt.

Foto: Stahlfabrik von Kobe Steel in Japan (Wikipedia CC BY-SA 3.0)