Tokio (JAPANMARKT) – Japans größter Lebensversicherer Nippon Life übernimmt beim Börsengang der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank fünf Prozent der Anteile. Wer ist der neue „Ankerinvestor“ der DWS?

Langjährige Beziehung

In Japan ist Nippon Life Insurance, der künftige „Ankerinvestor“ der DWS, unter dem Namen Nissay bekannt. Auch die Internetdomain lautet auf diese Abkürzung des Unternehmensnamens „Nihon Seimei Hoken“. Die Zentrale sitzt in Osaka, dazu kommen Büros in New York, London, Peking und Frankfurt.

Die Verbindung zur Deutschen Bank ist fast 30 Jahre alt. 1989 erwarb Nippon Life nach eigenen Angaben erstmals Aktien der Deutschen Bank. 1998 wurde eine gemeinsame Vermögensverwaltungsgesellschaft verabredet. Jedoch wählten die Japaner im September 2009 die britische Investmentbank Schroders als neuen Partner.

Bedrohte Marktführung

Seit der Gründung 1889 war Nippon Life nahezu ununterbrochen Marktführer bei Lebensversicherungen in Japan. Nur 2014 gelang es der Branchenzweiten Dai-ichi Life Holdings, mehr Prämien einzunehmen. Der Hauptgrund für die Marktmacht ist ein Heer von zuletzt fast 51.000 eigenen Vertriebsagenten.

Als Reaktion auf die unerwartete Rivalität durch Dai-ichi verordnete sich Nissay im Juli 2015 ehrgeizige mittelfristige Ziele, um die Marktführung dauerhaft zu sichern. Dazu gehörten ein schnelleres Wachstum, ein höherer Gewinn, die Senkung der Kosten und die Aufstockung des Eigenkapitals.

Aggressive Expansion

Unternehmenschef Yoshinobu Tsutsui, seit April 2011 im Amt, schockte die Branche mit der Ankündigung, binnen zehn Jahren 1,5 Billionen Yen (11,5 Milliarden Euro) in Akquisitionen zu investieren. Bis dahin galt Nippon Life als besonders konservativ und vorsichtig.

Den Worten folgten schnell Taten. Im September 2015 wurden 85 Prozent des kleineren Rivalen Mitsui Life für 2,5 Milliarden Dollar übernommen. Ein Jahr später schloss Nippon Life den Kauf von 80 Prozent der Lebensversicherungssparte der National Australia Bank für 1,8 Milliarden Dollar ab. Dazu gehörte auch eine Vertriebsvereinbarung für 20 Jahre.

Stärkere Vermögensverwaltung

Zum jüngsten Jahreswechsel holten sich die Japaner für rund 490 Millionen Dollar 25 Prozent des US-Vermögensverwalters TWC Group. Vor wenigen Tagen folgte die Ankündigung, 85 Prozent der japanischen Lebensversicherungssparte der MassMutual Financial Group in den USA für 104,2 Milliarden Yen (795 Millionen Euro) zu kaufen.

Diese Zukäufe orientierten sich an zwei Vorgaben, die sich die Führung selbst setzte: Zum einen will man die Vermögensverwaltung in Zeiten der Niedrigzinsen stärken und zum anderen neue Vertriebswege erschließen. In dieses Profil passt auch der Einstieg bei der deutschen DWS.

Foto: Konzernzentrale von Nippon Life (Nissay) in Osaka (Wikipedia CC BY 2.5)