Tokio (JAPANMARKT) – Einst waren Japans Unternehmen geschlossene Systeme. Doch die Anforderungen an die Entwicklung von innovativen Technologien erzwingen eine Öffnung.

Neue Ideen von außen holen

Noch bis über die Jahrtausendwende hinaus waren viele japanische Unternehmen davon überzeugt, dass sie wettbewerbsfähige Produkte aus eigener Kraft schnell genug entwickeln können. Dieses Selbstbewusstsein hat jedoch stark nachgelassen. Nun lagern japanische Unternehmen ihre Forschung und Entwicklung an Universitäten aus, investieren direkt in Start-ups oder kaufen junge Unternehmen, wenn ihre Produkte Marktreife erreicht haben. Diese Politik wird als „Open Innovation“ gerechtfertigt und vermarktet.

Das jüngste Beispiel lieferte Panasonic, das im Februar mit dem US-Fonds Scrum Ventures ein Gemeinschaftsunternehmen mit einer ungenannten Kapitalisierung aus der Taufe hob. Der von einem Japaner geführte Fonds aus San Francisco soll Panasonic dabei helfen, Start-ups im Bereich der Vernetzung von Haushaltsgeräten zu finden und zu unterstützen. „Wir wollen uns auf diese Weise neue Ideen holen“, sagte der Spartenchef von Panasonic, Tetsuro Homma, ganz offen.

Fonds für Künstliche Intelligenz

Auch Toyota setzt auf „offene Innovation“. Das hauseigene Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz und Robotik in den USA legte kürzlich einen 100 Millionen Dollar schweren Finanzierungsfonds für Künstliche Intelligenz (KI) auf: Toyota AI Ventures soll in Start-ups im Bereich autonome Autos und Robotik investieren. Mit dem gleichen Zweck hatte Sony 2016 einen eigenen Fonds aufgelegt, der inzwischen 14 Unternehmen auf den Feldern KI und Robotik anschiebt.

Dieser Trend zum Outsourcing der Innovation wird von zwei Einsichten angetrieben: Erstens werden technologische Systeme immer komplexer, sodass ein einziges Unternehmen mit der ausreichend schnellen Entwicklung aller Komponenten überfordert ist. Zweitens verhindern die starren Strukturen und etablierten Interessen von größeren Unternehmen oft neue Ideen. So hatte Sony den MP3-Player vor Apple entwickelt, aber nicht auf den Markt gebracht, weil man einen Absatzeinbruch bei CD-Spielern fürchtete.

Die Strategie der „offenen Innovation“ wurde in Japan ursprünglich nur von Softbank angewandt. Die Gruppe rings um Softbank Mobile und Yahoo Japan hat im Laufe der Jahre weit über 1.000 Beteiligungen angesammelt, bevor ihr Chef Masayoshi Son vergangenes Jahr den Softbank Vision Fund und den Delta Fund mit insgesamt rund 98 Milliarden Dollar Volumen gründete. Damit ist Son zum Investment-Wal im Technologieteich geworden.

Foto: “Künstliche Intelligenz” (flickr/GLAS-8 CC BY-NC-ND 2.0)