Tokio (JAPANMARKT) – Viele Gebäude in Japan werden nur wenige Jahrzehnte genutzt und dann fast immer abgerissen. Allerdings ergibt dies ökonomisch kaum noch Sinn.

Abschreibung in 25 Jahren

Wer in Japan ein Haus baut oder kauft und selber darin wohnt, kann die Ausgabe für das Gebäude über einen Zeitraum von 25 Jahren steuerlich geltend machen. Danach steckt der verbliebene Wert der Immobilie nur noch in dem Land, auf dem das Haus steht.

In der schnellen Abschreibung spiegelt sich die Tatsache wider, dass ältere Häuser in Japan nur selten den Besitzer wechseln und nach einmaligem Gebrauch meistens abgerissen werden. Zugleich führt das Wissen der Besitzer um die kurze Lebensdauer der Gebäude dazu, dass sie nicht gut erhalten werden, was ihren möglichen Wiederverkauf erschwert.

Quantität statt Qualität

Diese Wegwerfmentalität wurzelt vermutlich im schnellen Wiederaufbau der japanischen Städte nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals ging Quantität vor Qualität. Die Bevölkerung vermehrte sich rasch, Millionen zogen vom Land in die Städte. Wohnraum wurde möglichst schnell und billig geschaffen.

Dazu kommen die hohen Bodenpreise in den Metropolen. Deswegen müssen viele Japaner am Haus selbst sparen. Die meisten privaten Wohngebäude in Japan stammen zudem aus den Fabriken von wenigen Fertighausherstellern, die an einer längeren Haltbarkeit ihrer „Produkte“ nicht interessiert sind.

Überdimensionierte Bauindustrie

Ein weiterer Faktor sind die Erdbeben. Die Vorschriften für die Festigkeit der Häuser wurden im Laufe der Jahrzehnte immer weiter verschärft. Das mindert den Wert älterer Gebäude, die ein Erdbeben schlechter überstehen. Daher bauen die meisten Japaner lieber neue Gebäude, statt gebrauchte zu kaufen und zu renovieren.

All dies erklärt, warum Japan eine im internationalen Vergleich überdimensionale Bauindustrie hat. Bis zu eine Million Häuser werden jährlich neu errichtet – und nahezu ebenso viele abgerissen. Ökonomen kritisieren dies als organisierte Zerstörung von Wohlstand. Daher will die Regierung die Verkaufszahl von Althäusern im Jahrzehnt bis 2020 verdoppeln, unter anderem durch steuerliche Anreize.

Foto: Abriss eines „alten“ Hauses (via Uwe Schwering/Twitter)