Tokio (JAPANMARKT) – Geschäftsleute sammeln in Japan zahllose Visitenkarten ein. Daraus können Unternehmen und Einzelpersonen ein nützliches Netzwerk aufbauen.

Netzwerken durch Karten

Wer in Japan arbeitet, kommt fast täglich mit neuen Visitenkarten zurück ins Büro. Anders als in Europa stellt man sich in Japan nämlich mit der Karte vor, so dass man quasi automatisch die Informationen von jedem Geschäftskontakt erhält. Aber kaum jemand macht sich die Mühe, die Informationen auf den Karten zu digitalisieren, um darauf später zurückzugreifen. Bestenfalls schickt man der Person auf LinkedIn (Englisch) oder Wantedly (Japanisch) eine Kontaktanfrage.

Das junge Unternehmen Sansan Inc. will das ändern, indem es anhand der Informationen auf den Karten Unternehmen und Einzelpersonen ein Netzwerk ihrer Kontakte aufzeigt. Innerhalb eines Unternehmens werden dafür alle Visitenkarten, die die Mitarbeiter etwa im Vertrieb und der Akquise eingesammelt haben, gescannt und noch einmal manuell geprüft. Daraus entsteht ein internes soziales Netzwerk der Geschäftskontakte des Unternehmens.

Smartphone-App Eight

Zum Beispiel lässt sich auf diese Weise häufig das Organigramm eines Kundenunternehmens erstellen. Kommt es zu einem Wechsel auf bestimmten Positionen, die zum Beispiel für den Vertrieb der eigenen Produkte wichtig sind, erfahren dies alle Mitarbeiter, sobald die neue Karte eingegeben wird. Mehr als 7.000 Unternehmen nutzen diesen Dienst in Japan, darunter Toyota, SAP, Lenovo, Merck und Seven & I Holdings. Die Kosten (ab 50.000 Yen aufwärts) hängen von der Zahl der Nutzer ab.

Für Einzelpersonen gibt es die Smartphone-App „Eight“. Hier fotografiert man seine eigene Visitenkarte und die Karten seiner Kontakte und lädt sie an Sansan hoch. Auch diese Karten werden gelesen und manuell geprüft. Falls die Kontakte auch bei Eight Mitglied sind, wird man automatisch verbunden. Wie bei LinkedIn und Wantedly entsteht so ein eigenes soziales Netzwerk. 2 Millionen Menschen machen bereits mit. Für Ausländer gibt es einen kleinen Nachteil: Die App gibt es in Japan nur auf Japanisch.

Foto: Symbolbild (rawpixel.com auf Unsplash)