Tokio (JAPANMARKT) – Krähen sind die größte Tierplage in Japans Städten. Ein Forscher plädiert nun für die kulinarische Verwertung der Vögel.

Attacken auf Müllsäcke

Die städtischen Krähen leben vom Abfall der japanischen Städte. Anders als in Deutschland gibt es keine Abfalltonnen, die für die Müllabfuhr an die Straße gestellt werden. Vielmehr tragen die Anwohner ihren Abfall in Plastiktüten verpackt an kleine Sammelstellen.

Die Krähen picken mit ihren scharfen Schnäbeln die Plastiksäcke auf und ernähren sich von gefundenen Essensresten. Dabei verteilt sich der stinkende Müll auf der Straße. Daher versuchen Anwohner und Kommunen mit Plastiknetzen und Gitterkästen den Zugang der Krähen zum Abfall verhindern.

Der Krähenexperte Naoki Takahashi wurde in ganz Japan bekannt, als er etwa 40 „Wörter“ der Krähensprache identifizierte und sie mit „Falschaussagen“ von Sammelstellen weglocken konnte. Inzwischen denkt er einen Schritt weiter und plädiert für eine kulinarische Verwertung der aggressiven Vögel.

Kochbuch für Krähenfleisch

An vielen Orten wird die Krähenpopulation mit Hilfe von Fangkisten verringert. Takahashi will die Kosten für die Bekämpfung der Vögel über ihren Verkauf als Lebensmittel wieder hereinholen. Nach vielen Experimenten hat er sogar ein „Buch der wirklich leckeren Krähengerichte“ für die schmackhafte Zubereitung von Krähenfleisch verfasst.

Laut den Angaben auf seiner Webseite ist der Experte auf der Suche nach einem Verarbeitungsbetrieb für Krähenfleisch sowie einem Restaurant, das die Rezepte umsetzt. Außerdem plant Takahashi Verkostungsseminare, um das Fleisch der unerwünschten Vögel populärer zu machen.

Der Forscher zieht den Vergleich zu Waldtieren wie Rehen und Hirschen in Europa, die wegen ihrer schädlichen Folgen ebenfalls gejagt und verzehrt werden. Als Beispiele für leckere Gerichte zeigt er auf seiner Webseite unter anderem Curry und Gulasch aus Krähenfleisch.

Foto: flickr/Joi Ito CC BY 2.0