Tokio (JAPANMARKT) – Japans größte Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) sponsort die Entwicklung von virtuellen Reisen. Das steht nur vordergründig im Widerspruch zum eigenen Geschäftsmodell.

Zehn Millionen Dollar Preisgeld

ANA und die Stiftung XPrize haben ein Preisgeld von zehn Millionen US-Dollar für das Team ausgesetzt, das virtuelle Besuche von anderen Orten technisch ermöglicht. Konkret sollen ein humanoider Roboter und einen Anzug mit haptischen Sensoren und voller Integration von virtueller Realität (VR) gebaut werden. Dafür erhalten die Teams vier Jahre Zeit.

Die Stiftung hinter dem XPrize fördert mithilfe von Preisgeldern technologische Innovationen. So hatte Google einen XPrize in Höhe von 30 Millionen Dollar für die erste private Mondlandung ausgelobt. Andere XPrize-Projekte zielten auf die Sequenzierung von Erbinformationen, die Schadensbeseitigung nach Ölkatastrophen und die Verbrauchssenkung von Fahrzeugmotoren.

Brücken zwischen Kulturen bauen

Bei dem ANA Avatar XPrize geht es vor allem darum, das Reisen zu revolutionieren. Wie in dem Spielfilm „Surrogates“ sollen die Nutzer als Avatar (digitaler Stellvertreter) andere Orte besuchen und erleben können, ohne selbst dort zu sein. Nach Ansicht von XPrize-Gründer Peter Diamandis ließen sich so aber auch Brücken zwischen den Kulturen bauen.

Laut der Finanzzeitung „Nikkei“ belässt es ANA nicht bei dem Preisgeld. Vielmehr arbeitet die Fluggesellschaft bereits mit Japans drei großen Mobilfunkanbietern, der Softbank Group, der Universität Tokio und der Präfektur Oita zusammen, um mithilfe des kommenden schnellen Übertragungsstandards 5G Erlebnisse wie etwa einen Angelurlaub virtuell zu simulieren.

Erweiterung des Geschäftsmodells

Der Nutzer kann dann über eine VR-Brille und eine Angelrute in seiner Hand mithilfe eines humanoiden Roboters das Angeln physisch erleben. Über die VR-Datenbrille sieht und hört der Nutzer die Umgebung mit den Kameraaugen und Mikrofonohren des Roboters und erlebt Angeln durch Berührungs- und Drucksensoren auch haptisch. Die ersten Tests sollen 2019 stattfinden.

Die Entwicklung von virtuellen Reisen scheint dem Geschäftsmodell einer Fluggesellschaft, Menschen real zu anderen Orten zu bringen, zu widersprechen. Doch das muss nicht so sein: Denn den neuen Dienst könnten einerseits Menschen nutzen, die auf Grund körperlicher Einschränkungen ohnehin nicht mehr fliegen können. ANA erweitert also die eigene Kundenbasis. Andererseits könnten virtuelle Reisen die Lust darauf wecken, die fernen Orte auch real zu besuchen.

Foto: XPrize