Tokio (JAPANMARKT/fr) – Hitachi und Toshiba liefern ihre Ionenstrahlysteme zur Krebsbehandlung erstmals ins Ausland. Ihr größter Nachteil ist jedoch noch ungelöst.

Schonende Krebsbekämpfung

Die Krebstherapie mit Ionenstrahlen wurde in Japan schon früh in großem Stil eingesetzt. Nun finden die japanischen Systeme erstmals auch Anwendungen im Ausland. Toshiba liefert die erste Anlage an das Krankenhaus der Universität Yonsei in Seoul (siehe Darstellung im Video). Fast zeitgleich erhielt Hitachi einen Auftrag vom Taipei Veterans General Hospital. Hitachi hatte im Vorjahr dieses Geschäft von Mitsubishi Electric gekauft. Beide Therapiezentren sollen in etwa vier Jahren in Betrieb gehen.

Diese Anlagen erzeugen einen Strahl aus Ionen, die auf rund 70 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Die Ionen werden mit Hilfe von Elektromagneten gezielt auf Tumorzellen gelenkt. Über ein sogenanntes Rasterscanverfahren ist dies mit hoher Präzision und mit genau kalkulierbarer Dosis möglich, so dass sich der Tumor Schicht für Schicht zerstören lässt (mehr Infos hier). Anders als bei herkömmlicher Gamma- und Röntgenbestrahlung werden die gesunden Zellen vor und hinter dem Tumor geschont. Daher eignet sich die Therapie besonders für schwer zugängliche Krebserkrankungen etwa der Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse.

Verkleinerung des Beschleunigers

Diese Medizintechnologie wird weltweit zur Krebsbehandlung eingesetzt. In Deutschland stehen acht Anlagen, die teilweise mit leichten Protonen und teilweise mit den schwereren Kohlenstoffionen arbeiten (eine Liste der Standorte findet sich hier). Der größte Hersteller ist Siemens. In Japan stehen 18 Systeme und damit die weltweit höchste Zahl, fünf weitere sind im Bau. Die erste Schwerionentherapie mit Kohlenstoffionen wurde zunächst an den National Institutes for Quantum and Radiological Science and Technology (QST) – einer Abteilung des National Institute of Radiological Sciences (NIRS) – begonnen. Im Zeitraum von 1994 bis Mai 2016 wurden mehr als 15.000 Patienten behandelt.

Als weltweit einziges Land entwickelt Japan diese Krebstherapieform konsequent weiter. Die größte Herausforderung besteht darin, die Zyklotrone oder Synchrotone zur Beschleunigung der geladenen Teilchen zu verkleinern. Dadurch würden die extrem hohen Kosten der Anlagen deutlich sinken. Der Auftrag für Hitachi aus Taiwan zum Beispiel hat ein Volumen von 10 Milliarden Yen (76 Millionen Euro). Dazu kommen Kosten für die Wartung der Anlage und das Training der Medizintechniker.

Daher entwickelt das QST inzwischen ein Quantenstrahlsystem der fünften Generation, offiziell Quantenskalpell genannt. Die drastische Größenreduzierung soll vor allem durch eine Teilchenbeschleunigung per Laser und supraleitende Magnete erreicht werden. Die nächste Anlagegeneration soll auch verschiedene Ionen gleichzeitig einsetzen können, um die Krebsbehandlung zu verbessern. Als Entwicklungspartner wurden Ende Dezember 2016 die vier Unternehmen Sumitomo Heavy Industries, Toshiba, Hitachi und Mitsubishi Electric gewonnen.

Foto: Toshiba