Tokio (JAPANMARKT) – Der „einsame Tod“ ist eine Begleiterscheinung jeder alternden Gesellschaft. Nun bietet ein japanischer Stromversorger eine elegante Lösung an.

Technologien gegen kodokushi

Die Zahl der über 65-Jährigen in Japan ist auf mehr als 27 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der 80-, 90- und über 100-Jährigen wächst Jahr für Jahr. Mehr und mehr davon leben allein, weil sie keine Angehörigen mehr haben oder ihre Familien woanders wohnen. Daher kommt es häufiger vor, dass alte Menschen einsam sterben und manchmal erst nach Wochen oder Monaten gefunden werden.

Für das Phänomen gibt es bereits seit den 1980er Jahren ein eigenes japanisches Wort – kodokushi (kodoku – Einsamkeit, shi – Tod). Allerdings ist es keineswegs auf Japan beschränkt, sondern tritt generell in Gesellschaften mit einem hohen Anteil an Senioren auf. Bei der Lösung setzt Japan vor allem auf moderne Technologien.

Zum Beispiel könnten allein lebende alte Menschen Sensoren tragen, die ihre Daten per Smartphone an Angehörige oder Behörden übertragen. Das setzt jedoch voraus, dass die Sensoren auch getragen werden. Eine andere Möglichkeit sind smarte Lautsprecher für Tonübertragung und online geschaltete Kameras. Aber nicht jeder alte Mensch möchte so überwacht werden.

Beobachtung statt Überwachung

Eine elegante Lösung hat jetzt der Stromversorger Tepco gefunden. Dessen neues Smart-Home-System für private Haushalte wird auch damit beworben, dass sich damit die Aktivitäten von allein lebenden Senioren automatisch und zuverlässig beobachten lassen. Als Beispiele nennt Tepco eine Klimaanlage, die im Sommer nicht angeschaltet wird, die häufige Nutzung eines Mikrowellenherdes nach Mitternacht oder ein Staubsauger, der länger als zwei Stunden läuft.

Bei solchen seltsamen Verhaltensweisen werden Angehörige oder Vertrauenspersonen automatisch per E-Mail alarmiert, damit sie vor Ort nach dem Rechten schauen können. Als Zusatzservice für Menschen, die in großer Entfernung von der Wohnung ihrer alten Eltern oder Verwandten leben, bietet Tepco an, den Haushalt zu besuchen. Zwei Visiten pro Jahr sind kostenlos.

Foto: Typische Wohnsiedlung in Japan (© Martin Fritz)