Tokio (JAPANMARKT) – Als erster Gouverneur der Bank of Japan seit 1961 hat Haruhiko Kuroda am Montag eine zweite Amtszeit begonnen. Darum ist der 73-Jährige kaum zu beneiden.

Wirkungsvolle Geldpolitik

Bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren hatte Kuroda versprochen, mit einer „quantitativen und qualitativen Lockerung der Geldpolitik“ die Deflation in Japan binnen zwei Jahren komplett zu überwinden. Sein Ziel war eine nachhaltige Inflation von zwei Prozent. Diese Vorgabe scheint heute so schwer erreichbar wie damals.

Die extreme Geldpolitik von Kuroda spielte sicher eine wichtige Rolle bei der Erholung von Japans Wirtschaft. Zuletzt wurde die längste Wachstumsstrecke seit dem Zweiten Weltkrieg absolviert (JAPANMARKT berichtete). Die Arbeitslosenrate liegt nahe der Vollbeschäftigung, die Unternehmen erzielen Rekordgewinne. Die Aktienkurse haben sich, gemessen am Leitindex Nikkei 225, verdoppelt, die Kapitalrendite nähert sich einem Allzeithoch. Zudem ist fast die Hälfte der Staatsanleihen in die Bilanz der Notenbank gewandert.

Inflation bleibt schwach

Selbst die Deflation scheint überwunden: Im Februar stieg die Inflationsrate (ohne frische Lebensmittel) auf plus 1,0 Prozent zum Vorjahr. Aber dass die Preisentwicklung bis zum Frühjahr 2019 auf die gewünschten zwei Prozent steigt, gilt unter Analysten als wenig wahrscheinlich. Laut dem jüngsten Tankan-Bericht der Notenbank gehen zumindest die Unternehmen in ihrem Preisausblick lediglich von einer Preisrate von 1,1 Prozent in drei und auch fünf Jahren aus.

Kuroda erklärt dies damit, dass die deflationäre Mentalität tief in den Japanern verankert sei. Daher wartet er darauf, dass der enorme Mangel an Arbeitskräften zu höheren Löhnen führt und dadurch eine Inflationsspirale in Gang setzt. Doch wegen der mehrfachen Verschiebung des Inflationsziels hat Kuroda am Finanzmarkt stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Viele Analysten erwarten inzwischen, dass sich Kuroda mit einer Rate von ein Prozent zufriedengeben könnte.

In Erwartung dieser Bewegung spekulieren viele Investoren auf einen stärkeren Yen, falls die Notenbank ihre Zielrendite für zehnjährige Staatsanleihen erhöht. Anders als während seiner ersten Amtszeit muss Kuroda daher neuerdings über den Ausstieg sprechen und die Erwartungen der Finanzwelt moderieren. Seine zweite Amtszeit dürfte daher nicht einfach werden.

Foto: Bank of Japan (flickr/World Economic Forum CC BY-NC-SA 2.0)