Tokio (JAPANMARKT) – Die Zahl der ausländischen Touristen in Japan steigt und steigt. Doch ein ausländischer Experte warnt vor Selbstgefälligkeit.

Nationale Aufgabe

Japan brauche eine eigene Strategie für Tourismus und müsse daraus eine nationale Aufgabe machen – dies fordert der Brite David Atkinson, Chef von Konishi Decorative Arts und Crafts, einem fast 400 Jahre alten Unternehmen, das Tempel und andere historische Gebäude restauriert.

Atkinson kritisiert besonders die mangelnde Aufmerksamkeit der Tourismus-Verantwortlichen für Besucher aus weiter entfernten Ländern. Anders als beispielsweise Thailand gelinge es Japan nicht, Touristen aus dem westlichen Ausland in größerer Zahl anzulocken.

Dies liege an der japanischen Ineffizienz in diesem Sektor, da man nicht genug darüber nachdenke, welche Art von Dienstleistungen und Inhalten ausländische Besucher ansprächen, meinte Atkinson in einem Interview mit dem japanischen Magazin Voice.

Zu wenig Angebote

Atkinsons Stimme hat großes Gewicht in Japan. Sein Buch „Shin-Kanko Rikkoku Ron“ (Neue Strategien für ein tourismusorientiertes Land) vom Juni 2015 war ein Bestseller. Danach wurde der frühere Analyst einer Investmentbank als Tourismus-Berater in mehrere staatliche Gremien gerufen.

Bei zu vielen Orten mit Kulturgütern in Japan gebe es keine Erklärungen, keine Plätze zum Sitzen, Essen und Trinken, keine damit verbundenen kulturellen Veranstaltungen und damit keine wirklichen Gründe für die ausländischen Besucher zurückzukommen, erläuterte Atkinson in einem anderen Interview.

„Spaß statt Grüntee“

Als Ursache identifizierte der Brite die Denkweise der Verantwortlichen, dass die ausländischen Touristen sich an die japanischen Gegebenheiten anpassen müssten, also sich wie japanische Inlandstouristen verhalten sollen. Doch diese Einstellung nach dem Motto „Andere Länder, andere Sitten“ sei falsch. Tourismus ist kein Verkäufermarkt, betonte Atkinson. Statt auf Ikebana und Teezeremonie sollte der Schwerpunkt der Angebote auf „japanischem Spaß“ liegen.

Die Hoffnungen auf einen Besucherboom als Folge der Olympischen Spiele 2020 in Tokio hält Atkinson für überzogen. Auf mittlere Sicht werde dies die Tourismuswirtschaft nicht stimulieren. Aber durch die Verbesserung der Zufriedenheit der Besucher könnte man auch höhere Preise verlangen und die Produktivität steigern, meinte der Experte.

Foto: Japanische Steinlaterne (via Pixabay/PeterW1950 CC0)