Tokio (JAPANMARKT) – Japans Gesundheitsministerium kämpft mit den explodierenden Kosten einer medizinischen Salbe, die von Zeitschriften als Kosmetik gepriesen wird.

Glatte Haut durch Medizinsalbe

9,3 Milliarden Yen (71 Millionen Euro) hat Japans staatliche Krankenkasse im Jahr 2016 für Verschreibungen der Salbe Hirudoid ausgegeben. Dabei fiel den Kostenwächtern im Gesundheitsministerium ein enormer Zuwachs der Verordnungen der Salbe für Frauen um 157 Prozent zum Vorjahr auf.

Die plötzliche Popularität von Hirudoid ließ sich damit erklären, dass die Salbe von Frauenzeitschriften als kostengünstige Feuchtigkeitscreme anpriesen wurde. Der enthaltene Wirkstoff Heparin pflege und glätte die Haut, berichteten die Magazine. Die Wirkung sei ähnlich gut wie bei weit teureren kommerziellen Kosmetika.

Die Zeitschriften rechneten vor, dass die 1.185 Yen teure 50-Gramm-Salbe den Patienten in Japan über die gesetzlich vorgeschriebene Eigenbeteiligung von 30 Prozent nur 356 Yen koste. Da Kinder von dieser Vorschrift befreit sind, erhielte man die Salbe bei der Verschreibung für das eigene Kind sogar umsonst.

Verordnung gegen Missbrauch

Darauf suchte das Gesundheitsministerium nach einer Methode, wie sich dieser Missbrauch der staatlichen Krankenkasse für kosmetische Pflege verhindern lässt. Ende Januar legte die Behörde schließlich in einer Verordnung fest, dass die Salbe nur für medizinische Zwecke verschrieben werden dürfe.

Auch ein zweiter Mechanismus der Kostendeckelung in Japan greift, weil die Salbe inzwischen auch als Generikum auf den Markt gekommen ist – der Wirkstoff Heparin ist nicht geschützt. Das Generikum mit dem Markennamen Besoften kostet als 50-Gramm-Salbe nur 875 Yen und kommt die Krankenkasse damit mehr als ein Viertel günstiger als Hirudoid zu stehen.

Deutschland als Vorbild?

Ganz lässt sich der Missbrauch als Kosmetik nicht verhindern. Denn diese Salben werden in Japan meistens gegen trockene Haut und Ekzeme verschrieben. Solche Leiden sind weit verbreitet. Daher böte sich hier die deutsche Lösung an: Die Salbe (Markenname ebenfalls Hirudoid) ist in Deutschland nicht verschreibungspflichtig.

Seltsamerweise hat sich unter deutschen Frauen das kosmetische Potenzial dieser Medizin noch nicht herumgesprochen. Denn anders als in Japan wird Hirudoid in Deutschland vor allem als Mittel gegen blauen Flecken, Hautprellungen und geschwollene Venen angewandt.

Foto: Japanische Hirudoid-Salbe (© Martin Fritz)