Tokio (JAPANMARKT) – Beethovens neunte Symphonie mit der „Ode an die Freude“ ist in Japan extrem beliebt. Bald feiert man den 100. Jahrestag der ersten Aufführung in Japan. Auch ein deutscher Verlag mischt mit.

Populäre „Neunte“

Die Ode an die Freude und die Neunte Symphonie – dieses Musikwerk von Ludwig van Beethoven taucht im Dezember vor Weihnachten und rings um Neujahr auf den Spielplänen aller großen Orchester und Konzertsäle in Japan auf. Hundertfach wird die Symphonie mit ihrem Chorlied am Schluss im ganzen Land aufgeführt.

In vielen Kleinstädten gibt es Amateurchöre, die den vierten Satz monatelang einüben und bis ins Frühjahr hinein aufführen – auf Deutsch. Früher lernten alle Japaner den Text des Liedes in der Schule. Allein um die Liedworte von Friedrich Schiller akzentfrei und korrekt auszusprechen, besucht mancher Japaner einen Deutschkurs.

Soldaten im Lager

Vor allem dank seiner letzten Symphonie – meist nur „daiku“ (die Neunte) genannt – ist Beethoven auch er beliebteste und bekannteste Deutsche in Japan. Ein wichtiger Grund für die hohe Wertschätzung dürfte der starke Schaffenswille des deutschen Komponisten sein. Denn zu den Idealen Japans gehört, dass sich ein Mensch mit ganzer Kraft bemüht, seine Ziele trotz widriger Umstände zu verwirklichen.

Gesungen wurde die Ode an die Freude in Japan das erste Mal von deutschen Kriegsgefangenen, die im heutigen Naruto auf der Hauptinsel Shikoku in einem Lager lebten. Dies geschah am 1. Juni 1918 kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges, also vor knapp 100 Jahren. Aus diesem Anlass werden in Japan in diesem Jahr rings um dieses Datum viele Veranstaltungen stattfinden.

Der deutsche Verleger Manuel Herder, ein studierter Japanologe, greift das Jubiläum jetzt mit einem Übersetzungsprojekt auf. Herder will das kürzlich erschienen japanische Kinderbuch „Neunte Symphonie – mit Freude in die Zukunft“ von Shigenoru Kusunoki, das die Geschichte dieser ersten Aufführung darstellt, rechtzeitig zur 100. Wiederkehr auf Deutsch veröffentlichen und sammelt dafür gerade vorab zahlende Leser ein. Das Buch soll zum Zeichen der deutsch-japanischen Freundschaft werden.

Foto: Ausschnitt aus dem Cover von Kinderbuch zur Erstaufführung der „Ode an die Freude“ in Japan (© PHP)