Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der Mangel an Arbeitskräften zwingt Japans Regierung zum Handeln. Nun führt sie eine neue Visumkategorie für Ausländer ein.

Verlängerung für Trainees

Nach Informationen der Wirtschaftszeitung Nikkei will Japan es ausländischen Trainees in technischen Berufen ab April 2019 erlauben, nach Ablauf ihrer fünfjährigen Weiterbildung in Japan weitere fünf Jahre im Land zu arbeiten. Das würde den Charakter des bisherigen Trainee-Programms mit aktuell 258.000 Teilnehmern (Oktober 2017) grundlegend ändern.

In der Vergangenheit wurden Ausländer aus Schwellenländern zur Arbeit in bestimmten Branchen nach Japan geholt, um sie handwerklich und technisch weiterzubilden. Nach drei bzw. inzwischen fünf Jahren sollen sie zurückkehren, damit die erworbenen Fähigkeiten ihrem Heimatland zugutekommen (mehr über das Programm hier). In der Praxis landeten viele Trainees zwar in Billiglohnjobs, aber ein erst kürzlich erlassenes Gesetz hat diesen Missbrauch erschwert.

Vorübergehende Rückkehr

Sowohl einige Arbeitgeber als auch ein Teil der Trainees drängen schon länger darauf, dass der Rückkehrzwang aufgehoben wird. Dieser Wunsch wird nun erfüllt. Allerdings würde damit das ursprüngliche Programmziel, durch berufliche Qualifizierung eine Art von Entwicklungshilfe zu leisten, in den Hintergrund gestellt. Typische Herkunftsländer sind die Philippinen und Vietnam.

Zwar sollen die Trainees nach Ablauf ihrer Weiterbildungszeit zunächst für eine bestimmte Zeit in ihr Heimatland zurückkehren. Aber damit wollen die Behörden wohl nur verhindern, dass die Trainees auf zehn Jahre ununterbrochenen Aufenthaltsstatus in Japan kommen. Dann hätten sie nämlich Anspruch auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.

Öffnung eines Türspalts

Dennoch öffnet die Strategieänderung die Tür zur Einwanderung zumindest einen Spalt breit: Der neue Aufenthaltsstatus erlaubt nämlich auch die Rückkehr von früheren Teilnehmern an dem Programm. Auch ausländische Arbeitnehmer mit vergleichbaren beruflichen Qualifikationen wie die Programmteilnehmer können dieses Visum beantragen.

Damit nicht genug: Diese ausländischen Arbeitskräfte dürfen ihren Visum-Status in Japan entsprechend ihrer tatsächlichen Beschäftigung ändern. Danach wären sie in der Lage, auch Familienangehörige aus ihren Heimatländern nach Japan holen. Der Zuzug von Ausländern nach Japan dürfte dadurch weiter zunehmen.

Steigende Ausländerquote

Die Maßnahme ist eine staatliche Reaktion auf die schrumpfende Bevölkerung. Zu Anfang Oktober 2017 war die Zahl der Japaner zum Vorjahr um 372.000 auf 124,64 Millionen gesunken. Zugleich hat sich die Zahl der Ausländer in Japan um 145.000 auf 2,05 Millionen erhöht. 39 Prozent des japanischen Rückgangs wurde damit ausgeglichen.

Unter den 66,4 Millionen Beschäftigten in Japan (Stand Ende 2017) sind 1,27 Millionen Ausländer (Stand Oktober 2017). Die Regierung will diese Quote von derzeit 1,9 Prozent erhöhen, um den Arbeitskräftemangel in bestimmten Branchen zu lindern, darunter Altenpflege und Dienstleistungen vom Paketboten bis zum Kellner. Nur das Wort Einwanderung soll nicht fallen.

Foto: Ausländerbehörde in Tokio (Wikipedia BY-SA 3.0)