Tokio (JAPANMARKT) – China und Japan haben nach acht Jahren ihren Wirtschaftsdialog wiederaufgenommen. Damit endet eine lange Eiszeit in den Beziehungen.

Vertiefung der Kooperation

Das letzte Treffen beider Seiten hatte 2010 stattgefunden. Wenig später begann ein Streit um eine Gruppe von Inseln im Ostchinesischen Meer, die sowohl Japan als auch China beanspruchen. Wegen der Verstaatlichung einiger dieser Inseln kam es im Herbst 2012 zu chinaweiten Protesten gegen Japan mit Demonstrationen und Kaufboykotten.

Die Wiederaufnahme des Dialogs mit China böte die Chance zur Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, erklärte Außenminister Taro Kono laut japanischen Medienberichten nach dem Treffen. Die Stichworte sind ein bilaterales Handelsabkommen und das chinesische Projekt einer asienweiten Freihandelszone. Kono leitete das Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi.

Konkurrierende Initiativen

Bei dem chinesisch-japanischen Wirtschaftsdialog diskutierten beide Seiten auch über ihre konkurrierenden Initiativen für die Entwicklung der Infrastruktur in Asien. Japan verfolgt eine Strategie des „freien und offenen Indo-Pazifiks“, während China eine „neue Seidenstraße“ vorantreibt.

China hoffe darauf, den Dialog über dieses Megaprojekt mit Japan zu vertiefen, sagte Wang auf der Konferenz. Nach Angaben von Kono will Japan sich von Fall zu Fall beteiligen, falls bei dem Projekt internationale Standards etwa für Transparenz, Sozial- und Umweltverträglichkeit eingehalten würden.

Die Annäherung der beiden Nachbarstaaten geht jedoch über die Wiederaufnahme des Wirtschaftsdialogs hinaus. Denn auch auf politischer Ebene gibt es Bewegung. Als nächster Schritt erfolgt Anfang Mai ein Besuch von Chinas Premierminister Li Keqiang in Tokio. Li wird voraussichtlich den ersten Staatsbesuch von Chinas Präsident Xi Jinping in Japan vorbereiten.

Foto: Außenminister Taro Kono und Wang Yi (© Ministry of Foreign Affairs of Japan)