Tokio (JAPANMARKT) – Ein hoher japanischer Regierungsbeamter ist nach dem Vorwurf der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Sein Fall zeigt ein Problem von Frauen in Japan auf.

Hoher Beamter tritt zurück

Finanzstaatssekretär Junichi Fukuda erklärte am Mittwoch seinen Rücktritt. Der hohe Beamte bestritt den Vorwurf des Boulevard-Magazins Shukan Shincho, er habe Journalistinnen belästigt, und kündigte rechtliche Schritte gegen das Wochenmagazin an.

Die Zeitschrift veröffentlichte ihrerseits den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen Fukuda und einer Journalistin. Auf dem Mitschnitt soll der Beamte gefragt haben, ob er sie umarmen und ihren Busen berühren dürfte. Fukuda erklärte laut japanischen Medienberichten, der Mitschnitt sei bearbeitet worden.

Gründung von „WeToo“

Der globale Schlachtruf #MeToo scheint jedoch ein zunehmendes Echo in Japan zu finden. Im Februar mussten ein Jung-Manager sowie der Präsident des Nahrungsherstellers NH Foods aus Osaka zurücktreten. Der Jung-Manager hatte die Mitarbeiterin einer Fluggesellschaft sexuell belästigt, die sich bei ihrem Arbeitgeber beschwerte.

Anfang März riefen einige japanische Frauen die Bewegung WeToo ins Leben. Japanische Frauen sollten Männer nicht einzeln, sondern gemeinsam anklagen. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören Miwa Kato, Leiterin von UN Women Asia, und die Tabubrecherin Shiori Ito. Die Journalistin schilderte ihre Vergewaltigung in dem Buch „Blackbox“.

Zum Schweigen geraten

Wo das Problem für japanische Frauen liegt, zeigt die Reaktion des Arbeitgebers der angeblich belästigten Journalistin. Nach eigenen Angaben hatte sie aus Angst vor Übergriffen ihre Gespräche mit dem Staatssekretär heimlich aufgezeichnet und sich ihrem Arbeitgeber TV Asahi offenbart.

Nun gab der Nachrichtenchef von TV Asahi, Hiroshi Shinozuka, nach Angaben von japanischen Medien zu, der Sender hätte der Reporterin zum Schweigen geraten. Andernfalls würde ihr Name bekannt und sie würde leiden. Diese Reaktion sei nicht angemessen gewesen, räumte Shinozuka nun ein.

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