Tokio (JAPANMARKT) – Einheimischer Aal gehört zu den Delikatessen der japanischen Küche. Doch in diesen Jahr wird daraus eine teure Rarität.

Geschrumpfte Bestände

Der japanische Aal ist so überfischt, dass die Weltnaturschutz-Union ihn schon 2014 auf die Rote Liste der gefährdeten Arten setzte. Das Agrarministerium in Tokio drängte bereits damals auf Maßnahmen, wie man die Population erhöhen könnte (JAPANMARKT berichtete).

Seitdem sind die Bestände des japanischen Aals jedoch dramatisch geschrumpft – mehr als es sich jeder Ministerialbeamte damals wohl vorstellen konnte. Der japanische Aal in besseren Restaurants stammt zwar in der Regel aus Zuchtfarmen, aber dort wird der Aal lediglich gemästet.

Chinesischer Appetit auf Aal

Die Jungaale werden nämlich im Frühjahr vor den Küsten von Taiwan, Japan und China aus dem Meer gefischt und anschließend in „Zuchtfarmen“ zur Schlachtreife gefüttert. Doch in diesem Jahr schrumpfte laut einem Bericht der Finanzzeitung „Nikkei“ die Menge an gefischten Jungaalen um dramatische 40 Prozent zum Vorjahr.

Das bedeutet, dass zur Sommerwende am 21. Juni, wenn die Japaner traditionell gegrillten Aal auf Reis essen, nicht genügend Aal auf dem Markt sein werden. Daher rechnen Branchenkenner mit explodierenden Preisen für japanischen Aal. (Der gegrillte Aal aus Japan ist deutlich kleiner und magerer als der geräucherte Aal, den man in Deutschland kennt.)

Damit nicht genug: Die Chinesen sind auf den Geschmack der Japaner gekommen. In chinesischen Städten wächst die Zahl von Aal-Restaurants. Weil sich auch dort der Aalmangel bemerkbar macht, dürften das Volumen der bisherigen Aalexporte abnehmen. Damit dürfte der billige Aal in japanischen Supermärkten und Sushi-Restaurants mit Fließband (kaitenzushi) bald der Vergangenheit angehören.

Foto: Gegrillter japanischer Aal (Pixabay CC0)