Tokio (JAPANMARKT) – Roboter sollen den Mangel an Arbeitskräften in der Baubranche lindern. Doch der Baukonzern Shimizu fühlt sich in seinen Ambitionen gebremst.

Höhere Effizienz

Die Herausforderung ist riesig: Das Geschäft von Japans Bauunternehmen boomt, aber es gibt immer weniger Japaner, die diese harte Arbeit machen wollen. Daher setzt Shimizu, einer der vier großen Baukonzerne in Japan, bei der Errichtung von Hochhäusern auf Roboter. Denn dort wiederholen sich die Aufgaben von Stockwerk zu Stockwerk.

Die selbst entwickelten Maschinen leisten Erstaunliches: Der „Buddy“ genannte Roboter kann Holzpaneele von einem Stapel aufnehmen und an eine vorbereitete Deckenkonstruktion anschrauben. Wo ein Mensch das Paneel mit einer Hand und seinem behelmten Kopf nach oben drückt und mit einem elektrischen Dreher in der anderen Hand die Schrauben festzieht, übernehmen zwei nebeneinander montierte Roboterarme diese Aufgabe nahezu mühelos und mit gleicher Präzision.

Noch effizienter ist der Robo-Carrier, der sich den Stapel mit Deckenpaneelen selbstständig auflädt und in einen Aufzug transportiert. Auf einer anderen Etage wird der Stapel von einem weiteren Robo-Carrier aufgenommen und an den Ort gebracht, an dem die Paneele an die Decke geschraubt werden sollen. Schweißroboter verbinden selbständig die Elemente von tragenden Eisensäulen der Hochhäuser. Auf diese Weise sollen nach Angaben von Shimizu die Bauarbeiter entlastet und ihnen freie Wochenenden ermöglicht werden.

Hinderliche Vorschriften

Doch der Einsatz der Maschinen wird durch staatliche Vorschriften eingeschränkt: So dürfen die Maschinen nicht dort eingesetzt werden, wo Menschen arbeiten. Japans Beamte haben offenbar von kollaborativen Robotern, die so wie die Maschinen von Shimizu auf die Anwesenheit von Menschen sensibel reagieren, noch nie etwas gehört. Daher will Shimizu die neuen Maschinen nur nachts einsetzen, wenn garantiert keine Menschen auf der Baustelle sind.

Laut dem zuständigen Manager Masahiro Indo hatte Shimizu auch Probleme, einen Roboterhersteller als Partner für die Entwicklung zu finden. Japanische Hersteller wie Yaskawa und Fanuc wollten ihre Programmiercodes nicht offenlegen, um eine Anpassung an die Erfordernisse von Baustellen zu ermöglichen. Daher entschied sich Shimizu für Roboterarme des deutschen Herstellers Kuka, auch wenn sie relativ teuer gewesen seien, so die Aussage gegenüber JAPANMARKT.de.

Allerdings ändert dies nichts daran, dass solche Roboter nur einen begrenzten Nutzen auf Baustellen haben. Nach Einschätzung von Shimizu würden die drei bisher entwickelten Maschinen für Transporte, Schweißen und Deckenkonstruktion nur ein Prozent der Aufgaben beim Bau von Hochhäusern abdecken. Es werde sehr schwierig sein, diesen Satz auf zehn Prozent zu erhöhen, gab der zuständige Shimizu-Manager auf die Nachfrage von Journalisten zu.

Fotos: © Martin Fritz