Tokio (JAPANMARKT) – Die Wirtschaftspolitik der Abenomics sollte auch die Kapitaleffizienz japanischer Unternehmen verbessern. Dieses Ziel wurde nun erreicht.

Offizielles Renditeziel erreicht

Unter Leitung von Professor Kunio Ito hatte ein Expertenkomitee vor fünf Jahren zahlreiche Empfehlungen erarbeitet, wie die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit und Eigenkapitalrendite, definiert als das Verhältnis von Reingewinn zum Eigenkapital, verbessern könnten.

Bis dahin war Japan für seine wenig effiziente Nutzung von Kapital bekannt. Zwischen 1992 und 2012 lag die durchschnittliche Eigenkapitalrendite unter fünf Prozent, abgesehen von den drei Boomjahren 2005 bis 2007. Der Ito-Bericht gab ein Minimumziel von acht Prozent vor, damit wenigstens die geschätzten Kapitalkosten von sechs bis sieben Prozent in Japan verdient werden.

Autoindustrie und Einzelhandel vorn

Nun hat die Japan AG dieses Achtprozentziel laut dem Berater Japan Macro Advisors für große Unternehmen, egal ob börsennotiert oder nicht, erreicht: Im Geschäftsjahr 2017 erreichte die Quote 9,1 Prozent. Das waren 1,1 Punkte mehr als 2016. Die Hersteller steigerten ihre Eigenkapitalrendite von 7,5 Prozent in 2016 auf 9,3 Prozent in 2017. Die Hauptursachen waren die Abwertung des Yen und ein gestiegenes Exportvolumen. Bei den nicht-herstellenden Unternehmen stieg die Eigenkapitalrendite auf 8,8 Prozent. Das sind jeweils die höchsten Werte seit 1981. Unter den besonders effizienten Branchen sind die Autoindustrie und der Einzelhandel.

Als Hauptursachen für diese Verbesserung nennt Ökonom Takuji Okubo von Japan Macro Advisors eine höhere Kapitalrendite, also den Reingewinn bezogen auf das Betriebsvermögen, sowie eine höhere Umsatzrendite. Besonders gesteigert hätten sich die Bauindustrie und der Großhandel, deren Kapitalrendite sich in den letzten Jahren dramatisch verbessert habe. Dagegen blieben zwei bekannte Schwächen von japanischen Unternehmen bestehen: Dazu gehören ein hoher Anteil an liquiden Mitteln und eine niedrige Schuldenquote.

Einfluss der Corporate Governance

Allerdings zeigt sich der japanische Wirtschaftsexperte skeptisch, ob der Anstieg der Eigenkapitalrendite auf strukturelle Veränderungen in der Corporate Governance in Japan zurückzuführen ist. Zwar wurde die Vorgaben für eine bessere Unternehmensführung durch den Corporate Stewardship Kodex 2014 und den Corporate Governance Kodex 2015 verschärft, aber im Vergleich zu dem konjunkturellen Aufschwung der letzten Jahre hätte die Unternehmensführung eine geringe Rolle bei der Erhöhung der Eigenkapitalrendite gespielt, schreibt Okubo.

Den Grund für das langsame Umdenken sieht der Ökonom darin, dass die Mehrheit der Chefetagen in Japan noch wie von Führungskräften besetzt ist, die im eigenen Unternehmen groß geworden sind. Dadurch fühlten sie sich eher ihren Mitarbeitern und Mitmanagern als Aktionären gegenüber verantwortlich. Zugleich spielten institutionelle Vermögensverwalter wie Versicherungen und Fondsgesellschaften weiter keine große Rolle bei der Beaufsichtigung des Managements. So seien aktivistische Aktionäre in Japan noch weitgehend unbekannt.

Foto: Zentrum von Yokohama (© Martin Fritz)