Tokio (JAPANMARKT) – Mazda ist mit KODO, zu deutsch „Seele der Bewegung“, eine eigene Designsprache gelungen. Ein Geheimnis ihrer Eleganz sind meisterhafte Modellierer.

Hochpräzise Digitalisierung

Bei KODO entstehen Emotionen und Schönheit – wie in Zen-Gärten und Ikebana-Gestecken – durch die Reduzierung auf das Wesentliche. „Wir definieren erst die Form, erzeugen dann die Struktur und manipulieren schließlich die Lichtreflexionen“, erläuterte Designstudio-Chef Hiroshi Kureha bei Mazda in Hiroshima das Vorgehen.

Seine 25 Modellierer, darunter nur drei Frauen, könnten ihre Entwürfe mit bloßem Auge auf 0,1 Millimeter genau in Ton formen, erzählt Kureha stolz. Das finale Modell in Originalgröße modellieren sie in hohem Tempo aus einem besonders schnell härtenden Ton, der beim Trocknen nicht mehr schrumpft. Dadurch lasse sich ihre Handwerkskunst ohne Abweichung hochpräzise digitalisieren, so Kureha.

Die Modellierer werden darin geschult, das gezeichnete Design form- und proportionsgetreu in verschieden große Tonmodelle zu überführen. Die Herausforderung besteht darin, dass sich auch winzige Fehler nach sehr kurzer Zeit nicht mehr korrigieren lassen. Zunächst setzte Mazda dafür Absolventen von Fachschulen für Gestaltung ein, die mit dieser Aufgabe jedoch überfordert waren.

Hiroshi Kureha, Chef des Designstudios von Mazda, mit einem Tonmodell im Maßstab 1 zu 2

Perfektion nach 20 Jahren

Daher bildet das Unternehmen seine Modellierer schon länger selbst aus und beginnt damit möglichst schon nach Abschluss der Mittelschule im Alter von fünfzehn, sechzehn Jahren. Bis die notwendige Perfektion erreicht sei, könne es zehn bis zwanzig Jahre dauern, erzählt der Studiochef. Takumi heißen diese Meister einer speziellen Handwerkskunst in der Autoindustrie. Jeder habe sein eigenes Werkzeugset für die Tonbearbeitung. Aus über 500 Varianten wählt man rund ein Dutzend aus.

Nach der Digitalisierung wird das Design in Stahlblech übertragen. Auch hierfür musste Mazda neue Wege gehen. Seine Ingenieure erfanden eine Maschine, die die gestaltenden Handbewegungen der Modellierer nachahmen kann. Schleifsteine glätten dann die Oberfläche auf fünf Tausendstel Millimeter genau. Schließlich wird eine spezielle Poliertechnik benutzt, sodass die kurvige Oberfläche ohne Verzerrungen funkelt.

Fotos: © Martin Fritz