Tokio (JAPANMARKT) – Dem Volksmund zufolge sind im Mai mehr Japaner unmotiviert, müde und krank. Dieser „Mai-Blues“ ist ein jährlich wiederkehrendes Phänomen.

Mehr Krankheitstage

Mit dem japanischen Ausdruck „Gogatsu-byou“ – wörtlich: Maikrankheit – wird die Tatsache beschrieben, dass viele Japaner im fünften Monat des Jahres keinen Appetit mehr haben, schlecht schlafen und unruhig, sensibel, launisch oder gar depressiv sind. In der Presse wird von vermehrten Erkältungen und Krankmeldungen berichtet.

Als besonders anfällig für diesen temporären Blues gelten Schüler, Studenten im ersten Semester und Berufsanfänger. Denn diese gesellschaftlichen Gruppen haben Anfang April etwas Neues begonnen – ein neues Schuljahr, ihr Studium, die erste Arbeitsstelle. Aufregende Bewerbungen und anstrengende Prüfungen liegen hinter ihnen.

Nach vier, fünf Wochen gewöhnen sich die Menschen dann an neue Klassenzimmer, Mitschüler und Lehrer; an das universitäre Leben, die Kommilitonen und die Professoren; ans Arbeiten im Anzug und im Kostüm und das Austauschen von Visitenkarten unter Verbeugungen.

Monotonie folgt auf Euphorie

Spätestens nach der Rückkehr aus der Goldenen Woche – eine Anreihung von mehreren Feiertagen Ende April, Anfang Mai – setzt bei vielen Japanern die schmerzhafte Erkenntnis ein, dass auf das Neue und den Wechsel erst einmal eine längere Zeit der Langeweile und Monotonie folgen wird. Die anfängliche Euphorie ist nun weg.

Jetzt fordert die in Müdigkeit, die sich bis hierhin angesammelt hat, aber unterdrückt werden konnte, ihren Tribut: Man wird anfällig für Erkältungen und andere Virusinfektionen. Das Ganze wird durch das wechselhafte Wetter im japanischen Mai gefördert, in dem es hohe Schwankungen von Temperatur und Feuchtigkeit gibt. So werden am Ende viele Japaner „mai-krank“.

Foto: Rushhour im Bahnhof Tokio-Shinjuku (Wikipedia CC BY-SA 3.0)