Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Softbank Group will ihre weltweiten Beteiligungen an Fahrdienstvermittlern an ihren Vision Fund übertragen. Das deutet auf eine Marktbereinigung.

Milliarden-Investitionen

Softbank-Chef Masayoshi Son agiert wie die Spinne im globalen Netz der Fahrdienstvermittler, die auch als „Taxi-Apps“ bekannt sind. Bisher steckte Softbank 10,2 Milliarden Dollar in Chinas größte Taxiplattform Didi Chuxing und 7,7 Milliarden Dollar in den US-Marktführer Uber. Dazu kommen Investitionen in Milliardenhöhe in die zwei anderen Branchengrößen Grab (Südostasien) und Ola (Indien). Damit sind die Japaner die weltweit führenden Kapitalgeber für dieses Geschäft.

Softbank brachte dieses Kapital bisher alleine auf, um Interessenkonflikte zu vermeiden: Denn zwei Ankerteilhaber des 93 Milliarden Dollar schweren Softbank Vision Funds, der formal unter dem Dach der Softbank Group angesiedelt ist, halten selbst direkte Anteile an Fahrdienstvermittlern. Der saudi-arabische Staatsfonds stieg bei Uber mit 3,5 Milliarden Dollar ein; Abu Dhabis Investment-Vehikel Mubadala investierte eine unbekannte Summe in Didi.

Konsolidierung läuft

Doch nun hat nach einem teilweise beinhart geführten Wettbewerb, bei dem Milliarden verbrannt wurden, in dieser jungen Branche eine Phase der Konsolidierung eingesetzt. Eine Bündelung der Beteiligungen an den Taxi-Apps in dem Vision Fund ist daher ein logischer Schritt. Denn gerade werden die Claims weltweit abgesteckt.

Uber hat sich bereits vor einiger Zeit aus China zurückgezogen und erhielt dafür 17,7 Prozent von Didi. Den gleichen Schachzug möchte Uber nun mit Grab in Südostasien wiederholen: Dort würden die US-Amerikaner einen Anteil von 27,5 Prozent erhalten. Allerdings fehlt bislang die Zustimmung der Aufsichtsbehörde in Singapur.

Börsengänge in Sicht

Das Grand Design von Softbank-Chef Son sieht möglicherweise so aus: Als Investor in Grab, Ola und 99 (Brasilien) kontrolliert Didi künftig den größten Teil Asiens, den Nahen Osten und Lateinamerika. Dabei wäre Uber einerseits als Teilhaber von Didi und Grab indirekt mit an Bord und bekäme andererseits die Marktführung in den USA, Australien und Europa.

Damit wäre die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Taxi-Apps Gewinne erzielen und somit fit für einen Börsengang werden. Dieser Zeitpunkt rückt offenbar näher: Didi will diesen Schritt angeblich schon in der zweiten Jahreshälfte und Uber 2019 wagen. Dann könnten Softbank und der Vision Fund ihre Investitionen in die Fahrdienstvermittler versilbern.

Mobilität von morgen

Jedoch geht die unternehmerische Vision von Son weit darüber hinaus. Softbank und der Fonds schnappen sich nämlich auch die potenziellen Filetstücke in der Verwertungskette der Mobilität von morgen – von Chipdesignern (ARM, Nvidia) und Satellitenkommunikation (OneWeb) über Kamerasysteme (Nauto) und Kartendienste (Mapbox) bis zu Datenmanagement (OSIsoft) und Gebrauchtwagenhandel (Auto1 aus Berlin).

Das Kalkül von Son zielt mittel- bis langfristig offenbar darauf, dass künstliche Intelligenz und die Vernetzung aller Dinge zunehmend autonome Fahrzeuge ermöglichen. Zuerst dürften automatisierte Busse auf festen Routen auf normalen Straßen fahren. Danach kämen schrittweise Lieferfahrzeuge für die Innenstädte und schließlich Robotertaxis.

Durch den Dauereinsatz könnten Busse und Taxis die hohen Kosten für die Assistenzsysteme schnell wieder hereinholen. Diese Vision des Verkehrs von morgen erklärt vermutlich auch, warum sich jetzt offenbar auch deutsche Autohersteller wie Daimler an dem Vision Fund beteiligen wollen.

Foto: flickr/Mark Warner CC BY 2.0