Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist unerwartet schwach ins neue Jahr gestartet. Aber eine Rezession wird für Japan nicht erwartet.

Erster Rückgang seit 2015

Im Vierteljahr zwischen Januar und März schrumpfte Japans Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zum Vorquartal und auf das Jahr hochgerechnet um 0,6 Prozent. Damit wurde die längste Wachstumsstrecke seit 28 Jahren, die Ende 2015 begann und über acht Quartale lief, beendet.

Die meisten Ökonomen hatten nicht mit einer so deutlichen Abkühlung der Konjunktur gerechnet und haben begonnen, ihre Prognosen für das Gesamtjahr zu revidieren. Eine Rezession wird zwar nicht erwartet. Dagegen sprechen der Arbeitskräftemangel und die solide Industrieproduktion.

Keine Rezession in Sicht

Aber Rudolf Besch von der DekaBank geht nun davon aus, dass die Wachstumsrate im Gesamtjahr 2018 unter ein Prozent liegen dürfte, selbst für den Fall, dass die Wirtschaftsleistung in den drei verbliebenen Quartalen zunimmt. 2017 könnte ein Ausnahmejahr gewesen sein, zudem habe der globale Aufschwung Kratzer bekommen, meinte Besch.

Weniger pessimistisch zeigte sich Stefan Große von der NordLB. Das negative Vorzeichen im ersten Quartal sei von temporärer Natur gewesen, die gestiegenen Löhne sollten den privaten Konsum stützen. Allerdings stehe wegen der US-Handelsstreitigkeiten hinter dem Außenhandel ein großes Fragezeichen, analysierte Große.

Ökonom Takeshi Yamaguchi von Morgan Stanley MUFG senkte den Ausblick für 2018 um 0,2 Punkte auf 1,1 Prozent Wachstum. Japan befinde sich im späten Stadium des Konjunkturzyklus. Nach Ansicht von Merrill Lynch haben die Exporte ihren Höhepunkt überschritten. Im abgelaufenen Quartal trugen sie noch 0,3 Punkte zum Wachstum bei.

Vier Faktoren für Verlangsamung

Für das gesunkene Bruttoinlandsprodukt waren vor allem vier Faktoren verantwortlich: Erstens stagnierte der private Konsum gegenüber dem Vorquartal. Als mutmaßlichen Auslöser nannte DekaBank-Analyst Besch den Rückgang der realen Einkommen um 0,6 Prozent zum Vorquartal.

Zweitens blieben sowohl der private Wohnungsbau (-2,1 Prozent) als auch die Kapitalausgaben der Unternehmen (-0,1 Prozent) hinter den Erwartungen zurück. Allerdings seien diese Daten in der ersten Schätzung des Bruttoinlandsproduktes üblicherweise sehr schlecht, gab NordLB-Analyst Große zu bedenken. Die zweite Schätzung erfolgt am 8. Juni.

Drittens sorgten die Lagerinvestitionen für einen negativen Wachstumsbeitrag. Allein dadurch wurde die Rate um 0,6 Punkte gedrückt. In den Vorquartalen waren die Lagerbestände gewachsen. Viertens stieg der BIP-Deflator als umfassendster Indikator für die Preisentwicklung auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die nominale Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent zum Vorquartal.

Foto: Japans Wahrzeichen, der Berg Fuji (Pixabay CC0)