Tokio (JAPANMARKT) – Vor zehn Jahren führte Japan eine eigene Krankenversicherung für über 75-Jährige ein. Doch ihre steigenden Gesundheitskosten belasten inzwischen alle Japaner.

Sonderversicherung

Dieses eigene Versorgungssystem startete im April 2008. Wegen der stark steigenden Gesundheitskosten ab diesem Alter mussten sich die über 75-Jährigen nun selbst versichern. Neben der zusätzlichen Einnahmen gab es auch die Überlegung, ihnen die von ihnen verursachten Kosten bewusst zu machen und sie dadurch zur Sparsamkeit zu erziehen.

Die Gesundheitskosten dieser Supersenioren werden zu 50 Prozent vom Staat und zu 40 Prozent von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt. Die Patienten selbst übernehmen nur zehn Prozent der Kosten – das bedeutete eine Verringerung des Selbstbehaltes um die Hälfte gegenüber der Gruppe der 70- bis 74-Jährigen. Weil die Zahl der über 75-Jährigen jedoch stetig wächst, kommt diese niedrigere Selbstbehalt der ganz Alten die übrige Bevölkerung immer teurer zu stehen.

Steigende Kosten

So ist der Anteil der Krankenversicherung am Bruttogehalt nach Angaben des Krankenversicherungsverbandes Kenporen von 7,4 Prozent in 2008 auf 9,3 Prozent in 2018 gestiegen. Die jährlichen Kosten der Krankenversicherung, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen, stiegen in diesem Zeitraum im Schnitt von 386.000 Yen auf 486.000 Yen. Kenporen macht dafür die gestiegenen Kosten der über 75-Jährigen verantwortlich.

Als weitere Folge der Alterung hat sich der monatliche Beitrag zur Pflegeversicherung in Japan seit ihrer Einführung im Jahr 2000 auf inzwischen knapp 6.000 Yen verdoppelt. Daher wurden die geringen Lohnerhöhungen der letzten zehn Jahre laut einem Bericht der „Financial Times“ von den gestiegenen Kranken- und Pflegebeiträgen fast aufgefressen.

Superalte Babyboomer

Das Problem wird sich weiter verschärfen, wenn ab 2025 die Generation der Babyboomer Jahrgang für Jahrgang die Altersgrenze von 75 überschreitet. Das bisherige System, das über Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert wird, dürfte diese Last dann kaum noch tragen können. „Vielleicht haben wir die Grenze sogar schon jetzt überschritten“, sagte ein Kenporen-Sprecher der „Financial Times“.

Die naheliegendste Lösung wäre eine Erhöhung des Selbstbehaltes der über 75-Jährigen auf 20 Prozent – die gleiche Höhe wie bei den Versicherten zwischen 70 und 74 Jahren. (Normale Angestellte zahlen 30 Prozent Selbstbehalt.) Die Japaner im Rentenalter besitzen den Großteil des japanischen Privatvermögens. Viele Mitglieder der Generationen über 75 könnten daher einen höheren Selbstbehalt durchaus verkraften.

Doch es handelt sich bereits heute um über 15 Millionen Menschen, die alle wahlberechtigt sind. Die Angst vor diesen Wählern dürfte der Hauptgrund sein, warum keine japanische Regierung das heiße Eisen Gesundheitskosten angepackt und den mutmaßlichen Fehler von 2008 korrigiert hat. Aber der Zeitpunkt dafür reicht unerbittlich näher.

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