Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der deutsche Software-Anbieter TeamViewer gründet eine eigene Tochtergesellschaft in Japan. Die Expansion ist Teil der neuen Wachstumsstrategie.

Remote-Verbindungen

Neben SAP und Software AG zählt TeamViewer zu den Aushängeschildern der deutschen Software-Industrie. Das 13 Jahre alte Unternehmen aus Göppingen in Baden-Württemberg mit mehr als 700 Mitarbeitern weltweit sieht sich als globaler Marktführer für Remote-Verbindungen von Computern und elektronischen Geräten. Die Software ermöglicht Fernwartung und Kontrolle der Geräte sowie Videokonferenzen. Die private Nutzung ist kostenlos, die geschäftliche erfordert eine kostenpflichtige Lizenzierung.

Unter ihrem neuen Chief Executive Officer Oliver Steil, zuvor unter anderem Chef der Mobilfunkanbieter Debitel und Sunrise, will TeamViewer über die aktuellen Kernmärkte hinaus weltweit expandieren. „Unsere Software ist zwar global verbreitet, aber Marketing und Vertrieb haben sich bisher auf Europa, die USA, Kanada und Australien konzentriert“, erläuterte Steil bei der Vorstellung seiner Pläne vor Journalisten in Tokio.

Aktives Marketing

TeamViewer deckt den japanischen Markt bereits seit sechs Jahren ab und setzt dafür japanische Muttersprachler in der Niederlassung in Australien ein. Zugleich hat sich die TeamViewer-Software auch ohne große eigene Anstrengungen in Japan verbreitet, da sie auch in einer japanischen Fassung vorliegt. Bisher wurde sie 13 Millionen Mal in Japan installiert, davon allein 500.000 Mal im ersten Kalenderquartal. Das war ein Wachstum um 26 Prozent zum Vorjahr. Derzeit gebe es 14.000 zahlende Kunden, sagte Steil.

Aber nun will TeamViewer den japanischen Markt aktiv erobern. Die notwendigen juristischen Schritte werden derzeit übernommen, auch ein Büroleiter wird bereits gesucht, sodass man wohl schon im Juni an den Start gehen kann. Bereits zum Jahresende will TeamViewer sieben Mitarbeiter in Japan beschäftigen. Nach Aussage von CEO Steil strebt man in den nächsten Jahren einen Umsatzanteil aus Japan von fünf bis zehn Prozent an.

Variante für Unternehmen

Seine Zuversicht begründete Steil mit zwei Argumenten: Erstens liefere TeamViewer eine Infrastruktur für japanische Unternehmen, um ihre weltweiten Investitionen zu unterstützen. Zweitens biete man Lösungen für die laufenden Reformen des Arbeitsstiles in Japan, darunter der vermehrte Einsatz von Telearbeit. „Die Tatsache, dass die japanische Regierung diesen Wandel unterstützt, sehe ich als Signal für einen Wendepunkt bei der Telearbeit”, sagte Steil.

Die geplante Expansion nach Asien und Lateinamerika geht mit einer Ausweitung der Produktpalette einher. Ab Juli soll es eine eigene TeamViewer-Variante für Unternehmen geben, die zum Beispiel Remote-Wartungssitzungen aufzeichnet sowie Massen-Installation der Software ermöglicht. Ab August testet TeamViewer in einer Beta-Version den Einsatz von Augmented Reality etwa für Wartungsvorgänge. Auch für diese neuen Angebote dürfte es in Japan Bedarf geben.

Foto: TeamViewer-Chef Oliver Steil in Tokio (© Martin Fritz)