Tokio (JAPANMARKT) – Fanuc ist Weltmarktführer für numerische Steuerungen und Smartphone-Robomaschinen. Nun tastet sich das Unternehmen auf neue Geschäftsfelder vor.

Industrie plus Informatik

Die vierte industrielle Revolution mit ihrer Verschmelzung von Industrie und Informatik treibt die Einnahmen des Automatisierungsspezialisten Fanuc, eine Abkürzung von Fuji Automatic Numerical Control, seit Jahren auf neue Rekorde. Bekannt wurde der japanische Hersteller, der am Berg Fuji zuhause ist, durch seine knallgelben Roboter und durch Fräsmaschinen für die Herstellung von Smartphone-Gehäusen aus einem einzigen Metallblock.

Doch nun häufen sich die Geschäftsrisiken. Dazu gehört aktuell die global nachlassende Nachfrage nach Smartphones. Bei einem Analysten-Briefing Ende April berichtete Fanuc, man erwarte keine Auftragszunahme aus der IT-Industrie. Auch der US-Handelsstreit mit China gehört dazu. Dortige potenzielle Fanuc-Kunden halten sich möglicherweise mit Investitionen zurück, weil sie ihre Verkaufschancen in den USA wegen Zölle und anderen Einfuhrbeschränkungen nicht genügend sicher einschätzen können. Das China-Geschäft machte zuletzt knapp 30 Prozent des Umsatzes von Fanuc aus.

Konservativer Ausblick

Schließlich sorgte das Unternehmen selbst mit einem konservativen Ausblick auf das neue Geschäftsjahr für einen Schock: Denn nach dem Rekordjahr 2017 erwartet Fanuc, dass die Einnahmen um 13 Prozent auf 634 Milliarden Yen (5 Milliarden Euro) und die Betriebserträge sogar um 34 Prozent auf 152 Milliarden Yen (1,2 Milliarden Euro) zurückgehen. Dadurch würde die operative Marge um fast acht Punkte auf knapp 24 Prozent schrumpfen.

So schlimm wird es kaum kommen, wenn man Fanuc-Analysten glauben mag. Aber Tatsache ist: In den vergangenen vier Quartalen stiegen die Nettoumsätze nur noch leicht, während die operative Marge bei rund 32 Prozent verharrte. Das könnte auf eine Sättigung in den derzeitigen Geschäftsfeldern deuten. Diese Einsicht plagt offenbar auch Fanuc, denn das Unternehmen sucht neue Entwicklungs- und Vertriebsansätze.

Orientierung an Industrie 4.0

Im Februar wurde die japanische Life Robotics gekauft, der Erfinder eines kollaborativen Roboterarms ohne „Ellenbogen“-Gelenk. Deswegen kann die Maschine ohne Schutzvorrichtung neben Menschen arbeiten. Mit Hilfe des einfachen und preisgünstigen Helfers könnte Fanuc auf neue Absatzfelder vorstoßen, etwa in Japan, wo wegen des Arbeitskräftemangels derzeit einfache Arbeiten immer mehr automatisiert werden.

Der zweite Zukunftsansatz zeigt sich in der Hinwendung zur Industrie 4.0 und der 2016 eingeführten Plattform namens FIELD (Fanuc Intelligent Edge Link and Drive). Das System sammelt und analysiert die Daten, die beim Betrieb der Roboter und CNC-Geräte anfallen. Im Februar folgte die Ankündigung des „Intelligent Edge System“ durch ein neues Joint Venture aus Fanuc, Hitachi und dem Start-up Preferred Networks. Dieses System soll vernetzte Maschinen in Echtzeit kontrollieren und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz selbständig smarter werden.

Fanuc dürfte in den nächsten Jahren vor allem auf China achten. Einerseits ist das Reich der Mitte der wichtigste Absatzmarkt für die Japaner. Andererseits wachsen dort unter Anleitung und tatkräftiger Hilfe des Staates gefährliche Konkurrenten heran. Im Bereich der numerischen Steuerungen ist dies zum Beispiel das Unternehmen Estun. Ohne stetige Innovationen kann Fanuc solche Rivalen nicht auf Abstand halten.

Foto: Fanuc-Roboter auf der Robotermesse in Tokio (© Martin Fritz)