Tokio (JAPANMARKT) – Japans Getränkeriesen setzen auf Mischgetränke mit hohem Alkoholgehalt. Diese Strategie droht nach hinten loszugehen.

Verdoppelung in vier Jahren

Nach Angaben des Marktforschers SRI ist der Umsatz von Alkopop-Getränken mit acht bis neun Prozent Alkoholanteil mit Markennamen wie „Strong Zero“, „Mogitate“ und „Relax“ zwischen 2013 und 2017 um fast das Doppelte auf 125 Milliarden Yen (eine Milliarde Euro) gestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs der Umsatz sämtlicher alkoholischer Mischgetränke dreimal langsamer, nämlich nur um 31 Prozent.

Diese chuhai genannten Getränke machen in Japan bereits sieben Prozent des Marktes für alkoholische Getränke in Japan aus. Sie sind beliebt, weil sie wegen der hohen Steuern auf Malzgetränke preislich viel günstiger als Bier sind. Bei den fast ausschließlich in Dosen verkauften chuhai handelt es sich um Longdrinks aus kohlensäurehaltiger Fruchtlimonade mit vier bis sechs Prozent Anteil an Wodka, der überwiegend auf der Basis von Getreide hergestellt wird.

Riskante Marketingstrategie

Die japanischen Getränkehersteller, die sowohl Bier als auch chuhai produzieren, darunter Kirin Holdings und Sapporo Holdings, haben auf den seit Jahren sinkenden Konsum von Bier mit der Vermarktung von stärkeren chuhai-Drinks reagiert. Angeblich erfüllten die Verbraucher sich damit den Wunsch, für gleich viel Geld schneller betrunken zu werden. Dies sei der Grund für das schnelle Wachstum bei den stärker alkoholhaltigen Longdrinks.

Doch manche Marktkenner sind anderer Meinung. Zum einen förderten die Getränkeriesen ohne Rücksicht auf Suchtgefahren den Alkoholkonsum. Für diese Krankheit gibt es bisher wenig kritisches Bewusstsein in Japan. Zum anderen droht die Vermarktung von starken chuhai den Niedergang des eigenen Bierabsatzes zu beschleunigen. Die Hersteller sollten lieber ihre Biere attraktiver machen als ihre Kunden schneller betrunken, meinen Branchenexperten.

Foto: Kühlregal mit chuhai „Mogitate“, 350 Milliliter für 98 Yen (0,76 Euro) plus Steuer (Flickr/Leng Cheng CC BY 2.0)