Tokio (JAPANMARKT) – Japans Premierminister Shinzo Abe hat US-Präsident Donald Trump erneut in Washington getroffen. Denn der Koreagipfel bereitet Japan Bauchschmerzen.

Kehrtwende von Trump

Seit Beginn der Nordkoreakrise hat Japan eng an der Seite der USA gestanden. Regierungschef Abe unterstützte das Anziehen der Sanktionsschrauben und schwieg zu den indirekten Drohungen von Trump mit einem womöglich atomaren Militärschlag gegen Nordkorea.

Doch die offenbar spontane Zusage von Trump, Nordkoreas Führer Kim Jong-un ohne Vorbedingungen zu treffen, hat Japan alarmiert. Seit vergangener Woche benutzt Trump zudem nicht mehr den Ausdruck vom „maximalen Druck“ gegen Nordkorea, ohne sich vorher mit Abe abzusprechen.

Damit nicht genug: Inzwischen zeichnet sich ab, dass die USA und Nordkorea in Singapur das Ende des Koreakrieges vereinbaren und Verhandlungen über einen Friedensvertrag beginnen könnten. Davon hätte Japan gar nichts.

Japan als Zuschauer

Denn Sorge der Regierung in Tokio gilt der Atom- und Raketenrüstung von Nordkorea, die das eigene Territorium direkt bedroht. Mehrmals hat Nordkorea ballistische Raketen über Japan hinweg geschossen. Ein vages Versprechen einer Denuklearisierung von Nordkorea brächte keinen Fortschritt für Japan. Selbst ein Verzicht auf Langstreckenraketen setzt Japan weiter der Bedrohung durch nordkoreanische Mittelstreckenraketen aus.

Außerdem befürchtet die Regierung in Tokio, dass das Schicksal einer unbekannten Zahl von nach Nordkorea entführten Japanern beim Gipfel in Singapur und danach unter den Tisch fallen könnte. Abe verlangt seit bald zwei Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen Aufklärung von Nordkorea über den Verbleib dieser Japaner.

Foto: Shinzo Abe traf Donald Trump am 7. Juni in Washington (Kantei)