Tokio (JAPANMARKT) – Japans Löhne sind im April erneut gestiegen. Unklar ist, ob sich dieser offensichtliche Trendwechsel positiv auf den Konsum auswirkt.

Lohnplus im April

Die Löhne und Gehälter in Japan waren seit 1998 rückläufig. Zwischen 1997 und 2012 summierten sich die Verluste auf 12,5 Prozent. In diesem Zeitraum sanken die Einkommen durchschnittlich um jährlich 0,9 Prozent. Doch seit einigen Jahren etabliert sich ein Trend in die entgegengesetzte Richtung.

Die Löhne von Teilzeit- und Zeitarbeitern sind seit Ende 2016 um rund zwei Prozent gestiegen. Auch bei den Einkommen der regulär Beschäftigten zeichnet sich ein Aufwärtstrend ab. Im April stiegen ihre Löhne um 1,2 Prozent zum Vorjahr.

Unter Einbeziehung der Arbeitsmarktzahlen wuchs die durchschnittliche Entlohnung je Beschäftigter sogar um 3,5 Prozent zum Vorjahr. Nach Angaben der Analysten von Morgan Stanley MUFG ist dieser Aufwärtstrend damit weiter intakt. Auch wenn man die Entlohnung auf die Arbeitszeit umrechnet, ergab sich im April ein Lohnanstieg um 2,2 Prozent.

Weniger Zeitarbeiter

Ein wichtiger Grund für den Trendwechsel ist der sinkende Anteil der Teilzeitbeschäftigen und Zeitarbeiter. Deren Anteil an den Beschäftigten ist nach Angaben von Japan Macro Advisors von 15,2 Prozent im Jahr 1990 auf 30,7 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Doch im April lag diese Rate bei 30,5 Prozent, dem niedrigsten Wert seit Januar 2017.

Das ist bedeutsam, da Teilzeitbeschäftigte und Zeitarbeiter im Schnitt nur etwa halb so viel verdienen wie festangestellte Vollzeitbeschäftigte. Steigt der Anteil der irregulär Beschäftigten um ein Prozent, dann sinkt dadurch der Durchschnittslohn in Japan um 0,5 Prozent. Genau dieser Effekt trug erheblich zu den fallenden Einkommen zwischen 1997 und 2012 bei.

Umwandlung in Vollzeitstellen

Doch nun sind diese Zeiten vorbei, weil viele Unternehmen Teilzeit- und Zeitarbeitsjobs in Vollzeitstellen umwandeln. Andernfalls würden die eingearbeiteten Beschäftigten auf diesen schlecht bezahlten Stellen zu anderen Unternehmen abwandern, die wegen des Arbeitskräftemangels ihrerseits Arbeitskräfte durch höhere Löhne anzulocken versuchen.

Ökonomen beobachten diese Entwicklung genau, weil nur steigende Reallöhne dabei helfen können, die Deflation endgültig zu überwinden und den hohen Anteil des privaten Konsums an Japans Wirtschaftsleistung aufrechtzuerhalten. Einige Analysten meinen jedoch, aus Sorge um ihre Rente würden viele Japaner Lohnzuwächse eher sparen als ausgeben.

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