Tokio (JAPANMARKT) – Japanische Angestellte können neuerdings Zweitjobs auch ohne Erlaubnis ihres Arbeitgebers übernehmen. Dahinter steckt eine staatliche Strategie.

Zweitjob ohne Genehmigung

Laut einer Schätzung des Jobvermittlungsportals Lancers werden in diesem Jahr 7,4 Millionen Japaner mindestens zwei Jobs gleichzeitig haben. Das entspricht rund elf Prozent der Beschäftigten. Vor drei Jahren waren es nach Angaben von Lancers nur 5,33 Millionen.

Nach der Änderung der Vorschrift durch das Arbeitsministerium im Januar brauchen japanische Angestellte ihren Arbeitgeber nur noch darüber zu informieren, dass sie nebenher einen zweiten Job haben. Bisher konnte der Arbeitgeber dies verbieten.

Die japanische Regierung will mit dieser Deregulierung den Arbeitsmarkt flexibilisieren, da der herrschende Mangel an Arbeitskräften als Folge der alternden Gesellschaft das Wachstum bremsen und letztlich Japans Wohlstand verringern könnte.

Begrenzung von Überstunden

Die Möglichkeit, zwei oder mehr Jobs gleichzeitig zu haben, erlaubt eine Steigerung des privaten Einkommens und stützt dadurch auch die Wirtschaftsleistung. Allerdings gibt es auch eine dunkle Seite, weil zwei Jobs häufig längere Arbeitszeiten bedeuten.

Dabei bemüht sich die Regierung doch gerade darum, dass die Zahl der Überstunden begrenzt wird. Ein Widerspruch zur Förderung von Zweitjobs ist dies allerdings nicht: Denn weniger Überstunden bedeutet für viele japanische Angestellte auch weniger Einkommen.

Überstunden müssen die Arbeitgeber nämlich in der Regel extra vergüten. Ohne die Zulagen könnten sich mehr Angestellte gezwungen sehen, anstelle ihrer bisherigen Überstunden einen Zweitjob anzunehmen. Das ist nun möglich. Japans Arbeitsmarkt würde damit etwas westlicher werden.

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