Tokio (JAPANMARKT) – Nach dem historischen Gipfel von USA und Nordkorea in Singapur will Japan aus seiner Zuschauerrolle heraus. Als Lockmittel dürfte man großzügige Wirtschaftshilfe einsetzen.

„Umfassende Lösung“

Japans Premierminister Shinzo Abe reagierte auf den Gipfel mit gewohnt eiserner Loyalität zu Präsident Trump. Er unterstütze das Treffen als „Schritt zu einer umfassenden Lösung der verschiedenen Probleme mit Nordkorea“, sagte der nationalkonservative Regierungschef laut japanischen Presseberichten.

Die Reaktion ist verständlich: Japan ist auf die USA angewiesen, damit bei den Verhandlungen mit Nordkorea die eigenen Anliegen berücksichtigt werden. Die drei wichtigsten Punkte hatte Abe vergangene Woche selbst genannt – das Atom- sowie das Raketenprogramm und die Entführten. Damit meint der Premier eine tatsächliche Denuklearisierung von Nordkorea, ein Ende von Raketenbau und -entwicklung sowie die Rückkehr aller Japaner, die Nordkorea in den Siebziger- und Achtzigerjahren verschleppt hat.

Daran gemessen war der Gipfel in Singapur jedoch eine Enttäuschung für Japan. Es wurde weder ein Beginn noch ein Zeitplan der Denuklearisierung vereinbart. Das Wort „Raketen“ nahmen weder Trump noch Kim in den Mund, auch kommt es in der schriftlichen Vereinbarung nicht vor. Die Entführten hat Trump nach eigenen Angaben gegenüber Kim erwähnt, aber es blieb unklar, was nun folgt.

Sorge wegen Manöverstopp

Noch schwerer wiegt, dass Trump die südkoreanisch-amerikanischen Manöver beendete und über die Kosten und den Abzug der US-Truppen in Südkorea schwadronierte. Laut japanischen Medienberichten erklärte Verteidigungsminister Itsunori Onodera, die Manöver dienten der Sicherheit von Ostasien – und damit auch der Sicherheit von Japan.

Doch bei einem Hauptanliegen von Abe zeichnet sich Bewegung ab. Im April und Juni war der 63-jährige Premier nach Washington gereist und hatte Trump jeweils gebeten, beim Gipfel in Singapur das Schicksal der verschleppten Japaner anzusprechen. Trump erfüllte diese Bitte. Kim hätte ihm gesagt, er werde sich um dieses Thema kümmern, sagte Trump.

Daher will Abe Kim nun selbst treffen, um den Verbleib von mindestens 17 Landsleuten zu klären. Dafür dürfte er Wirtschaftshilfe anbieten. Bereits 2002 hatte Japan Nordkorea solche Hilfe zugesagt, aber von Informationen über die Entführten abhängig gemacht.

Update vom 14. Juni, 9 Uhr JST: Die Zeitung „Yomiuri“ berichtet, ein Treffen zwischen Kim und Abe werde im August oder September stattfinden. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht.

Foto: Premierminister Shinzo Abe (Kantei)