Tokio (JAPANMARKT) – LINE, Japans Pendant zu WhatsApp, kommt nicht voran. Der Messengerdienst und seine südkoreanische Mutter Naver scheinen sich verzettelt zu haben.

Geringes Wachstum

An den westlichen Börsen sind die Kurse von großen Technologiewerten wie Amazon, Google und Facebook stark gestiegen. Doch dieser Trend ist an den Platzhirschen im japanischen Internet vorbeigegangen. Die Aktienkurse des größten Einkaufsportals Rakuten und des größten Suchportals Yahoo Japan sind in diesem Jahr um rund ein Viertel gesunken. Die Anteile des Instant-Messenger-Dienstes LINE liegen elf Prozent im Minus. Dabei hat der Dienst weltweit 170 Millionen aktive User.

Aber an der Börse zählt bei Technologiewerten vor allem die Aussicht auf schnelles Wachstum. Davon kann bei LINE keine Rede mehr sein. Die Zahl der aktiven User in Japan steigt zwar weiter – von rund 60 Millionen am Anfang des Jahres 2016 auf rund 78 Millionen im ersten Quartal 2018. Doch damit dürfte der japanische Markt nahezu abgedeckt sein. Zugleich ist die Zahl der aktiven Nutzer in den wichtigsten drei Auslandsmärkten Taiwan, Thailand und Indonesien seit dem Hoch von rund 100 Millionen Anfang 2017 um einige Prozent gesunken.

Unklare Geschäftsstrategie

Wenn das Wachstum nachlässt, achten die Börsianer vor allem auf den Gewinn. Doch hier ist seit zwei Jahren kein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Wenn man die aktiven User in Beziehung zum Gewinn setzt, verdient LINE sogar sechs Mal weniger als Facebook. Allerdings ist der Vergleich etwas irreführend, weil der direkte Konkurrent, die Facebook-Tochter WhatsApp, fast gar kein Geld verdient.

Problematischer ist, dass LINE fast den gesamten Betriebsgewinn in neue Geschäfte investiert. Allein 30 Milliarden Yen – und damit der gesamte operative Ertrag von 2017 – fließen dieses Jahr in die Bereiche künstliche Intelligenz und Fintech. Sogar ein eigener Handelsplatz für Kryptowährungen und der Handel von Wertpapieren und Fondsanteilen sind geplant. Das vermittelt den Eindruck, als ob LINE keine klare Geschäftsstrategie hat.

Foto: Logo LINE-App (LINE)