Tokio (JAPANMARKT) – Die Übernahmeschlacht zwischen Takeda und Shire wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Bedeutung von ausländischen Top-Managern in Japan. Trotz Widerständen scheint ihre Akzeptanz zuzunehmen.

Übernahme als „Wahnsinn“

Eine Gruppe von Aktionären von Takeda, darunter Mitglieder der Gründerfamilie des 237 Jahre alten Pharmaunternehmens, hat das Übernahmeangebot für das irische Unternehmen Shire als „Wahnsinn“ bezeichnet. Die Gruppe will bei der Hauptversammlung von Takeda gegen das Geschäft stimmen.

Unter diesen Gegnern dürften auch einige der 110 früheren Manager von Takeda sein, darunter ebenfalls Mitglieder der Gründerfamilie, die schon 2014 ausdrücklich dagegen protestierten, dass mit Christophe Weber erstmals ein Ausländer an die Spitze des Unternehmens berufen werden sollte. Ihr Widerstand war jedoch vergeblich.

Presse kritisiert Ausländer

Einige japanische Medien schlagen jetzt in die gleiche Kerbe und heben hervor, der Takeda-Chef sei ein Franzose und habe von den 17 Top-Posten bei Takeda 14 mit Ausländern besetzt. Ebenso wird kritisiert, dass Weber den traditionellen Posten des Vize-Chairmans des japanischen Verbandes der Pharmaunternehmen an einen rangniedrigeren Japaner abgetreten hat.

Auf den ersten Blick sieht es daher so aus, als ob es bei der Behandlung von ausländischen Chefs von japanischen Unternehmen keine Fortschritte gegeben hätte. Denn auch als Carlos Ghosn zur Jahrtausendwende von Renault zu Nissan geschickt wurde, reagierte die japanische Presse ähnlich. Heute wird Ghosn allgemein als der Retter von Nissan angesehen.

Herkunftsfrage unwichtiger

Doch diejenigen japanischen Unternehmen, die voll auf Globalisierung setzen, kümmern sich nicht mehr um die Herkunftsfrage. Weber wurde vom früheren Takeda-Chef Hasegawa mit dem Auftrag eingestellt, das Unternehmen weltweit aufzustellen. Hasegawa ahnte wohl, dass der notwendige große Schritt ins Ausland nur von einem Ausländer gemacht werden würde. Ein traditioneller japanischer Manager hätte dieses Risiko nicht tragen wollen.

Auch die anderen drei der vier großen Pharma-Unternehmen setzen verstärkt auf Ausländer, um der Stagnation auf nationaler Ebene als Folge der alternden Gesellschaft zu entgehen. Bei Daichi Pharma, Astellas und Eisai sind Nicht-Japaner entweder Chief Medical Officer oder leiten die Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Astellas und Eisai beschäftigen zahlreiche weitere Ausländer auf Vorstandsebene.

Langsamer Wandel

Andere Großunternehmen in Japan setzen ebenfalls auf ausländische Manager in ihrer Globalisierung. Toyota gründete ein eigenes Forschungsinstitut für selbstfahrende Fahrzeuge und siedelte es gezielt im Silicon Valley an, ernannte einen US-amerikanischen Experten zum Chef und berief ihn auch in den Vorstand. Viele andere japanische Unternehmen stellen junge hochqualifizierte Ausländer an und gehen für die Auswahl auch ins Ausland, etwa nach Singapur.

Der Wandel sei zwar noch schmerzhaft langsam, schrieb der Experte George Olcott in der Finanzzeitung „Nikkei“. Zum Beispiel gebe es keine klare Karriereperspektive für ausländische Mitarbeiter. Nur 2,5 Prozent der Verwaltungsräte der Unternehmen im Aktienindex Nikkei 225 seien Ausländer. Aber viele japanische Unternehmen kämen langsam zu der Einsicht, dass sie sich für ihre komplexe globale Expansion nicht mehr allein auf japanische Manager verlassen könnten. Ansonsten könnten sie sich im Ausland weniger gut durchsetzen.

Foto: Berg Fuji (Pixasphere CC0)