Tokio (JAPANMARKT) – In einem Bruch mit der Tradition fördert Toyota verstärkt die Verbreitung von Open-Source-Software. Ein Ziel ist es, das automatisierte Fahren schneller voranzubringen.

Neue Entwicklungspolitik

In der Vergangenheit hat Toyota die Ergebnisse eigener Forschung und Entwicklung nie geteilt, sondern gegen Wettbewerber abgeschottet. Doch nun beteiligt sich Japans größter Autobauer gleich an drei verschiedenen branchenweiten Entwicklungsprojekten in Japan, nämlich für Verbrennungsmotoren, Antriebsstränge und Feststoffbatterien.

Zugleich fördert Toyota seit Kurzem den offenen Austausch von Technologien. Das in Kalifornien angesiedelte Toyota Research Institute (TRI) unterstützt jetzt mit 100.000 Dollar die Entwicklung eines Open-Source-Fahrsimulators. Dieser sogenannte CARLA (Car Learning to Act) entsteht auf der Software-Plattform Github. Der führende Entwickler für diesen Fahrsimulator ist das Computer Vision Center (CVC) an der Autonomen Universität Barcelona.

Unzählige Verkehrssituationen

Mit CARLA lassen sich automatisierte Fahrsysteme für den urbanen Raum testen. Dabei werden automatisierte Fahrsysteme virtuell in unzähligen Verkehrssituationen ausprobiert, die sich nicht immer unter realen Bedingungen im Straßenverkehr testen lassen. Die Testbedingungen von CARLA lassen sich variieren und dadurch an spezielle Projekterfordernisse anpassen.

„Wir fördern die Entwicklung einer gemeinsamen offenen Simulationsplattform, um künftig Informationen, Codes und Daten mit unseren Partnern aus Wissenschaft und Industrie besser austauschen zu können“, erläuterte Vangelis Kokkevis, Direktor für Fahrsimulation am TRI.

Demokratisierte Entwicklung

Mit der finanziellen Unterstützung durch Toyota will das für CARLA verantwortliche Team die Zahl der Entwickler erhöhen und die Fähigkeiten des Simulators verbessern. „Wir wollen mit CARLA die Forschung am automatisierten Fahren demokratisieren und die künstliche Intelligenz, die hinterm Steuer sitzt, über die Grenzen der realen Welt hinaus trainieren und testen“, sagte Projektleiter Antonio López.

Es ist nicht das erste Mal, dass das US-Forschungsinstitut von Toyota sich für offene Software engagiert. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren wurden beträchtliche Beiträge an die Open Source Robotics Foundation geleistet. Die Stiftung gewährt der globalen Robotik-Gemeinschaft Zugang zu offener Software und Entwicklungs-Tools.

Das TRI ist auch der wichtigste Spender für Drake, einen offenen Werkzeugkasten des Forschungslabors für Informatik und künstliche Intelligenz am Massachusetts Institute of Technology für die allgemeine Programmiersprache „C++“. „Technologische Fortschritte und Wachstum erreichen wir durch Zusammenarbeit“, betonte TRI-Manager Kokkevis.

Foto: Testfahrt eines autonomen Fahrzeugs (Toyota)