Tokio (JAPANMARKT) – Seit dem Nobelpreis für Shinya Yamanaka boomt in Japan die Forschung rund um Stammzellen. Das belegen die jüngsten Entwicklungen.

Zellen für Herzmuskel

Anfang Juni erhielten japanische Ärzte die Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörde, Herzkrankheiten mit einer speziellen Stammzellentherapie zu behandeln. Eine Forschergruppe unter Leitung von Herzchirurg Yoshiki Sawa von der Universität Osaka erzeugte mit Hilfe von induzierten pluripotenten Stammzellen eine dünne Schicht von 100 Millionen neuen Herzzellen.

Dabei werden in der Regel Hautzellen genommen und mit chemischer Hilfe in ihren ursprünglichen Zustand von Stammzellen zurückverwandelt, die sich anschließend in jede beliebige Art von spezialisierten Zellen verwandeln lassen. Jedes einzelne „Blatt“ mit solchermaßen gezüchteten Herzzellen war 0,1 Millimeter dick. Der unerwartete Effekt der Transplantation bestand darin, dass diese Zellen die beschädigten Herzzellen des Patienten regenerierten. Damit sicherten sich die japanischen Wissenschaftler weltweite Aufmerksamkeit.

Regenerative Medizin

Aber auch auf anderen Gebieten der Zellforschung zeigten japanische Forscher große Kreativität. So wurden an der Universität Kyoto erstmals embryonale Stammzellen für die regenerative Medizin erzeugt. Bisher wurde ihre Nutzung aus ethischen Gründen beschränkt. Aber embryonale Stammzellen haben gegenüber induzierten pluripotenten Stammzellen den Vorteil, dass sie weniger leicht Tumore hervorrufen. Dafür wurden Eizellen verwandt, die bei Fruchtbarkeitsbehandlungen unbenutzt blieben.

Unterdessen hat das staatliche Forschungsinstitut Riken Fortschritte bei der Bekämpfung von Haarausfall gemacht. Zusammen mit dem Unternehmen Organ Technologies Inc. gelang es Wissenschaftlern des Instituts, aus einer kleinen Menge Haarfollikel drei verschiedene Stammzellentypen zu identifizieren und daraus 5.000 bis 10.000 neue Haare wachsen zu lassen. Dadurch könnten Haartransplantationen künftig einfacher werden.

Foto: Menschliche embryonale Stammzellen (Wikipedia CC BY 2.5)