Tokio (JAPANMARKT) – Sechs von zehn börsennotierten Unternehmen in Japan haben keine Schulden. Die vermeintlich gute Nachricht ist schlecht für Aktionäre und Konjunktur.

Schuldenfreiheit als Ziel

Nach Daten des Dienstleisters Nikkei wiesen 59 Prozent der knapp 2.100 an der Börse gehandelten Unternehmen (ohne Finanzdienstleister) mit Stichtag 31. März mehr Barmittel als zinspflichtige Verbindlichkeiten in ihrer Bilanz auf. Zum Vergleich: Von den rund 4.000 notierten Unternehmen in den USA waren – ebenfalls nach Nikkei-Angaben – nur etwas mehr als 30 Prozent schuldenfrei.

Als Beispiel nannte die Finanzzeitung „Nikkei“ das Unternehmen Fujitsu. Der IT-Spezialist nutzte Einnahmen aus dem Anteileverkauf an Furukawa Electric, um Anleihen zurückzuzahlen. Dadurch sprang die Nettocash-Position auf knapp 51 Milliarden Yen (rund 400 Millionen Euro).

Ein weiteres Indiz für den Trend gegen Schulden: Viele Unternehmen zahlen auch ihre Bankkredite teilweise aggressiv zurück. So hat der Mischkonzern Toshiba das Volumen seiner Bankkredite in den vergangenen Monaten um 250 Milliarden Yen (zwei Milliarden Euro) heruntergefahren.

Negative Wirtschaftseffekte

Die Schuldenfreiheit hat mehrere negative ökonomische Kehrseiten: Die kapitalistische Wirtschaft basiert auf der Wertschöpfung durch Kreditaufnahmen. Wenn Unternehmen lieber sparen als investieren, gibt es weniger Wachstum. Daher springt der japanische Staat als Investor ein. Das Ergebnis ist die hohe japanische Staatsverschuldung.

Aber auch die Aktionäre leiden. Weder nutzt das Unternehmen sein Bargeld, um höhere Gewinne zu erzielen, noch schüttet es das Bargeld in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an seine Anteilseigner aus. Finanztechnisch gesehen mindert viel Bargeld auch die Kapitalrendite.

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