Tokio (JAPANMARKT) – Japans Parlament hat wichtige Arbeitsreformen verabschiedet. Allerdings lassen sich ihre Auswirkungen noch nicht klar absehen.

Mehr Lohngerechtigkeit

Das am Freitag verabschiedete Gesetz sieht „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ vor, beschränkt die Zahl der Überstunden und regelt Ausnahmen für hochbezahlte Angestellte. Die Reformen sollen die Produktivität der japanischen Unternehmen steigern und die Beschäftigungsverhältnisse flexibilisieren. Doch es scheint keineswegs garantiert, dass diese Ziele auch erreicht werden.

Das Versprechen von „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ machte Premierminister Shinzo Abe vor der Parlamentswahl im Oktober 2017. Tatsächlich ist der Abstand zwischen „irregulären“ und „regulären“ Arbeitskräften in Japan besonders hoch: Wer nicht festangestellt ist, erhält weit weniger Lohn – vor allem, weil die Vermittlungsagentur die Hand aufhält – aber auch geringere oder gar keine Sozial- und andere Leistungen.

Allerdings lässt sich „gleiche Arbeit“ nur schwer definieren, weil irreguläre Arbeitskräfte nicht unbedingt die gleichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten haben wie reguläre Beschäftigte. Daher rechnen Arbeitsmarktexperten damit, dass es zunächst nur zu einer Angleichung von Sonderleistungen kommt. Dazu gehört zum Beispiel die Erstattung der Transportkosten zwischen Arbeitsplatz und Wohnort, aber auch andere Zuschüsse zu den Lebenshaltungskosten.

Lohneinbußen in Sicht

Die Begrenzung auf 100 Überstunden pro Monat und 720 Überstunden im Jahr dürfte zunächst vor allem den Unternehmen selbst zugutekommen. Unterm Strich müssen sie voraussichtlich weniger Überstunden bezahlen. Schließlich zwingt die Obergrenze die Mitarbeiter dazu, effektiver zu arbeiten, obwohl sie durch weniger bezahlte Überstunden weniger verdienen.

Wegen der Verknappung von Arbeitskräften müssen einige Unternehmen jedoch womöglich die eingesparten Überstunden durch eine Erhöhung des Basislohns ausgleichen, damit sie ihre Mitarbeiter wieder motivieren. Die Begrenzung der Überstunden wird im April 2019 für große Unternehmen und ein Jahr später für kleine und mittlere Unternehmen eingeführt.

Wechselgefahr wächst

Auch der Wegfall einer Überstundengrenze für Angestellte mit einem Einkommen über 10,75 Millionen Yen (83.000 Euro) in bestimmten Berufen wie Produktentwickler, Wertpapierhändler, Berater und Forscher könnte sich für ihre Arbeitgeber als zweischneidiges Schwert entpuppen. Normalerweise haben Mitarbeiter ab dieser Gehaltsstufe Funktionen, die es ihnen ermöglichen, ihre Arbeitszeit stärker selbständig einzuteilen.

Eine Abschaffung ihrer hochvergüteten Überstunden ergibt daher inhaltlichen Sinn und sollte ebenfalls zu Einsparungen ihrer Arbeitgeber bei den Lohnausgaben führen. Dennoch müssen die Unternehmen auch hier in vielen Fällen wohl einen finanziellen Ausgleich verabreden. Ansonsten droht die Gefahr, dass diese wichtigen, weil oft motivierten Mitarbeiter verloren gehen.

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